1- und 2-Cent-Münzen könnten verschwinden

16.06.2021

Ungerade Summen an der Ladenkasse sorgen häufig dafür, dass der Geldbeutel aus allen Nähten platzt. Grund dafür: Die Ausgabe von Kleinstmünzen. Die Europäische Kommission entscheidet in diesem Jahr über eine schrittweise Abschaffung der 1- und 2-Cent-Münzen.

Die EU-Kommission prüft in regelmäßigen Abständen die Verwendung der unterschiedlichen Stückelungen der Euro-Münzen und -Banknoten unter Einbezug der anfallenden Kosten und öffentlichen Akzeptanz. Bereits 2013 und 2018 hatte die Kommission in Berichten mögliche Szenarien bezüglich der 1- und 2-Cent-Münzen – von der Beibehaltung bis hin zur Abschaffung mit der Einführung von Rundungsregeln – formuliert.

Zur weiteren Analyse führte die Kommission eine öffentliche, aber nicht repräsentative Konsultation zum Gebrauch der Ein- und Zwei-Cent-Münzen durch. Damit könne ein Meinungsbild der Europäer und Europäerinnen erstellt werden. Rund 17.000 Bürger:innen der 19 Euro-Mitgliedsstaaten hätten von September 2020 bis Januar 2021 an der Konsultation teilgenommen, die Mehrheit davon lebe (13.442 Befragte) in Deutschland.

Überflüssige Münzen
Fast die Hälfte der Teilnehmer und Teilnehmerinnen (49 Prozent) bezahle noch täglich mit Bargeld, 37 Prozent zahlten zumindest wöchentlich bar. Weitere 12 Prozent würden Bargeld höchstens monatlich nutzen – ein geringer Anteil (2 Prozent) verzichte sogar ganz auf Barzahlungen.

01_BargeldnutzungJPG

© Europäische Kommission

Insgesamt sei die Mehrheit der EU-Bürger:innen (70 Prozent) für eine Abschaffung der 1- und 2-Cent-Münzen. Mit Blick auf die Verwendung der Kleinstmünzen überrasche dieses Ergebnis nicht: 72 Prozent hätten die kleinen, roten Münzen für das Bezahlen als überflüssig bewertet. Anstatt die Ein- und Zwei-Cent-Münzen also an der Ladenkasse zu nutzen, verliere oder horte rund die Hälfte der Befragten die Münzen eher. Dahingehend habe sich der Großteil (71 Prozent) für Rundungsregeln (Auf- oder Abrunden) auf die nächste Fünf-Cent-Marke bei Barzahlungen ausgesprochen. Die Beibehaltung der Münzen für Zahlungen von nicht gerundeten Beträgen wurde mehrheitlich (70 Prozent) von den Befragten abgelehnt.

02_Mögliche_Szenarien

© Europäische Kommission

Obligatorische Regelungen
Zudem befürworte die Mehrheit der EU-Bürger:innen die Verbindlichkeit (76 Prozent) von möglichen Rundungsregeln sowie die Harmonisierung (77 Prozent) solcher innerhalb des Euroraumes.

Die Umsetzung der Rundungsregeln könnte in den Euro-Staaten zu einem generellen Anstieg der Preise führen – rund die Hälfte der Verbraucher und Verbraucherinnen würde dies jedoch nicht befürchten. Die Einwohner:innen der Mitgliedsstaaten, die bereits Rundungsregeln eingeführt haben (Finnland, Niederlande, Irland, Italien und Belgien), bekräftigen diese Annahme: 47 Prozent hätten in ihren Ländern keinen allgemeinen Anstieg der Preise feststellen können.

03_Konsequenzen_Rundungsregeln

© Europäische Kommission

Rückgabe, Sammlerstücke oder Entsorgung?
Die Einführung der Regelungen einhergehend mit der sukzessiven Abschaffung der 1- und 2-Cent-Münzen werde den Konsument:innen zufolge überwiegend positive oder neutrale Auswirkungen (72 Prozent) haben. Mit negativen Konsequenzen rechne lediglich ein Viertel. Im Gegensatz würden die Befragten den negativen Effekt für Verbrauchergruppen mit geringem Einkommen mit 35 Prozent wesentlich höher einstufen. Abgesehen von den Auswirkungen auf die Bürgerinnen und Bürger selbst, sei die Mehrheit (85 Prozent) der Ansicht, dass die Änderungen sich potenziell positiv (63 Prozent) oder neutral (22 Prozent) auf die Umwelt auswirken könnten. Denn die Einführung von Rundungsregeln würde zu einer deutlichen Reduzierung der jährlich verwendeten Menge an Kupfer und Stahl sowie Wasser und Chemikalien für die Produktion der Cent-Münzen beitragen. Zudem könnten Verpackungsmaterialien gespart und Transportkosten gesenkt werden.

04_Auswirkungen_RR

© Europäische Kommission

Die Konsultation erfasste auch die Meinungen von 132 Händler:innen und Dienstleister:innen: 42 Prozent dieser bezeichneten die Kleinstmünzen als Bürde für ihr Unternehmen, immerhin ein Viertel sehe sie aber als Vorteil an.

05_Rückgabe_oder_Entsorgung

© Europäische Kommission

Bei Abschaffung und Entzug des Status eines gesetzlichen Zahlungsmittels der 1- und 2-Cent-Münzen wolle der Großteil (70 Prozent) der Konsumenten und Konsumentinnen die Kleinstmünzen bei einer Bank zurückgeben. 17 Prozent würden die Cent-Münzen hingegen behalten, vier Prozent sogar wegwerfen.

Unter Einbezug der gesammelten Informationen für die Folgenabschätzung einheitlicher Rundungsregeln für Barzahlungen, plant die EU-Kommission noch Ende diesen Jahres eine Entscheidung über die Abschaffung der Ein- und Zwei-Cent-Münzen zu treffen.