Bargeld ist noch nicht vom Tisch

11.05.2021

Das Zahlungsverhalten in Deutschland hat 2020 vielen Berichten zufolge eine 180-Grad-Wende gemacht. Insbesondere der bargeldlose Zahlungsverkehr wurde dadurch beschleunigt: Der Anteil der Bargeldzahler ist im letzten Jahr um 20 Prozent gesunken. Die Mehrheit bevorzugt während der Pandemie andere Zahlungsmittel - inzwischen zahlt jeder Zweite bargeldlos. Ob diese Verhaltensänderungen bestehen werden, ist jedoch abzuwarten.

Das zeigen die Ergebnisse der Studie des Marktforschungsinstitut Kantar im Rahmen des „Glory Cash Report 2020“. Dieses untersuchte unter 1051 Internetnutzenden im Alter zwischen 16 und 64 Jahren das Zahlungsverhalten der Konsumierenden vor und während der Pandemie. Zudem blickt das Institut auf das zukünftige Bezahlverhalten nach erfolgreicher Eindämmung der Coronapandemie und sukzessiver Normalisierung des Alltags.

Beliebtheit von Bargeld sinkt nur langsam
Demnach habe sich schon vor dem Beginn der Pandemie ein leichter Abfall hinsichtlich Barzahlungen gezeigt: Im März 2020 hätte fast die Hälfte (49 Prozent) der Kundschaft am liebsten bar bezahlt, im Vorjahr seien es noch 53 Prozent gewesen. Die Kartenzahlungen hätten mit 44 Prozent nur knapp hinter dem Bezahlen in bar gelegen. Die Mehrheit (25 Prozent) bevorzuge dabei die kontaktlose Zahlung. Mobile Bezahlverfahren hätten für die Verbraucher und Verbraucherinnen vor der Krise noch eine vergleichsweise geringe Rolle gespielt.

Insbesondere die 25- bis 34-Jährigen hätten aber auch schon vorher häufiger bargeldlos gezahlt. Der Abstand zwischen Kartenzahlungen (34 Prozent) und Bargeld (37 Prozent) sei in der Altersgruppe mit drei Prozent nur gering. Bei den über 55-Jährigen hingegen sei dieser drei Mal so hoch (Bargeld: 56 Prozent, Kartenzahlungen: 18 Prozent). Die Studie zeigt, dass das Bargeld vor zwei Jahren in allen Altersgruppen noch immer stark von Bedeutung gewesen ist.Zahlungsverhalten_vor der Pandemie© Glory Global Solutions (Germany) GmbH

Den hohen Stellenwert des Bargelds bekräftigt auch eine Umfrage des Bankenverbands zum Bezahlverhalten in Deutschland. Laut dieser würde der Großteil (76 Prozent) der Abnehmer und Abnehmerinnen eine Abschaffung von Bargeld bedauern, knapp ein Viertel aber wünsche sich diese Entwicklung. Dabei spiele jedoch auch das Alter eine Rolle – vor allem die unter 30-Jährigen seien bereit, vollständig auf Bargeld zu verzichten.

Gründe für das „neue“ Bezahlverhalten
Während der Coronakrise haben Kantar zufolge 63 Prozent der Verbrauchenden ihr Zahlungsverhalten verändert – bei den 16- bis 24-Jährigen seien es sogar 73 Prozent. Mehr als die Hälfte nutze inzwischen lieber Karten oder mobile Bezahlverfahren als Zahlungsmittel. Dabei zücke über ein Drittel (36 Prozent) häufiger die Karte zum kontaktlosen Bezahlen, fünf Prozent der Konsumierenden würden öfter mit dem Smartphone zahlen. Im Gegensatz zum Trend hätten überraschenderweise seit dem Beginn der Pandemie dennoch elf Prozent der Käufer und Käuferinnen häufiger in bar gezahlt.Zahlungsverhalten_während der Pandemie© Glory Global Solutions (Germany) GmbH

Die veränderten Zahlungsgewohnheiten der Kundschaft seien jedoch nicht ausschließlich auf ihren eigenen Wunsch zurückzuführen, sondern hauptsächlich von den Vorgaben der Händler und Händlerinnen getrieben: Knapp 41 Prozent der Einkaufenden seien neuerdings gebeten worden, diesen kontaktlos mit Karte zu zahlen. Doch auch das Hygienebewusstsein der Konsumierenden hat sich im letzten Jahr zunehmend verstärkt. Rund die Hälfte fühle sich in Supermärkten und Drogerien mit den getroffenen Hygienemaßnahmen ausreichend sicher. Zusätzlich hätten 36 Prozent der Befragten aber auf Barzahlungen verzichtet, um sich vor einer Ansteckung mit dem Virus zu schützen. Einige Verbrauchende hätten ihre Gewohnheiten geändert, da sie oft zu wenig Bargeld bei sich trugen.

Kein nachhaltiger Wandel
Während der Pandemie sei der Anteil der Bargeldzahlenden auf 29 Prozent (vorher: 49 Prozent) gesunken. Das Marktforschungsinstitut prognostiziert für die Zeit nach der Krise allerdings einen erneuten Anstieg: Vier von zehn Kunden und Kundinnen seien gewillt, wieder genauso oft oder noch häufiger mit Bargeld zu bezahlen, bei den unter 25-Jährigen sind es sogar 53 Prozent. Lediglich 16 Prozent der Kaufenden hätten geplant nach der Krise seltener bar zu zahlen.

Bargeldzahlungen_nach der Pandemie

© Glory Global Solutions (Germany) GmbH

Dass die Verbraucher und Verbraucherinnen auf Münzen und Scheine nicht verzichten wollen, bestätigt auch eine aktuelle Studie des Zahlungs- und Shopping-Dienstleisters Klarna. Im internationalen Vergleich mit acht Ländern liege Deutschland auch 2021 bei der Nutzung von kontaktlosen und digitalen Bezahlmethoden deutlich zurück. Knapp die Hälfte der Befragten (49 Prozent) bevorzuge nach wie vor Bargeld als Zahlungsmittel. Bis auf Österreich (47 Prozent) liege der Anteil der Bargeldzahlenden in allen anderen Ländern unter 30 Prozent.

Folglich hätten die Kaufenden auch bei Kartenzahlungen mit 38 Prozent insgesamt die niedrigste Quote. Im Gegenteil seien diese in den nordischen Staaten mit über 60 Prozent am meisten geschätzt. Auch mobile Bezahllösungen (neun Prozent) seien bei der Kundschaft in Deutschland weniger beliebt als in anderen Ländern. Laut der Erhebung sind die Konsumierenden auch beim Bezahlen per Smartwatch, Gesichtserkennung und Fingerabdruck mit jeweils zwei Prozent vergleichsweise reserviert.Bargeld am Beliebtesten_Klarna© Klarna Bank AB

Dem Marktforschungsinstitut Kantar zufolge sind die derzeitigen Zahlungsgewohnheiten der Verbrauchenden nicht von Dauer – die Mehrheit wird diese nach der Pandemie erneut ändern. Wie viele dann wirklich zum Bargeld zurückkehren, ist also nicht absehbar. Sicher sei aber, dass das Bargeld weiterhin Bestand haben wird.