Deutschland hinkt beim mobilen Bezahlen hinterher

23.09.2020

Im internationalen Vergleich nutzen die Bundesbürger mobile Zahlverfahren noch wesentlich seltener als Menschen in anderen europäischen Ländern. Vor allem die Jüngeren treiben hierzulande das Bezahlen per Smartphone oder Tablet nach vorne.

Während ein Viertel der Bundesbürger quer durch alle Altersgruppen regelmäßig oder ab und zu mobil über das Smartphone oder Tablet bezahle, seien es in der Türkei fast zwei Drittel. In den Niederlanden und in Belgien nutze rund die Hälfte der Verbraucher Mobile-Payment. In Österreich und der Schweiz seien es immerhin 32 respektive 35 Prozent der Befragten.

Akzeptant in EU-Ländern

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Zu diesen Ergebnissen kommt die repräsentative Befragung „Mobile Payment Report 2019“ von 1000 Deutschen sowie von je 500 Menschen aus Österreich, der Schweiz, den Niederlanden, Belgien und der Türkei im Auftrag von PwC.

Trendsetter beim mobilen Bezahlen sind – wie fast zu erwarten war – die jüngeren Altersgruppen: 46 Prozent der unter 30-jährigen Deutschen nutzen laut PwC-Studie Mobile-Payment; bei den über 60-Jährigen sind es zwölf Prozent. Quer durch alle Altersgruppen würden 25 Prozent zumindest gelegentlich per Smartphone oder Tablet bezahlen. In fünf Jahren würden 57 Prozent aller Deutschen ihre Zahlungen mobil abwickeln wollen. 41 Prozent der Bundesbürger könnten sich sogar vorstellen, künftig ausschließlich per Smartphone zu zahlen – sofern die Methode dann sicher und überall akzeptiert ist.

Akzeptanz in Deutschland

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Wofür nutzen die Deutschen Mobile-Payment? 
Am ehesten nutzten die Deutschen ihr Smartphone, um für Kleidung, Schuhe und Accessoires zu bezahlen oder Geldbeträge an andere Personen zu überweisen. Bei den unter 30-Jährigen würden beispielsweise bereits 31 Prozent Geld über das Smartphone oder Tablet an andere Menschen senden. In Zukunft könnten sich viele Verbraucher auch vorstellen, Bahntickets oder Essen/Getränke in Restaurants, Bars oder Hotels mobil zu begleichen.

Welche Vorteile sehen die Verbraucher? 
59 Prozent der Bundesbürger stimmen laut Studie der Aussage zu, dass Mobile-Payment den Kauf erleichtert. 55 Prozent empfänden die verbesserte Kontrolle als Vorteil: Sie wollen ihre Geldbewegungen direkt am Handy prüfen können. 47 Prozent würden es für eine Erleichterung halten, dass sie nicht mehr darauf achten müssen, ob sie genügend Bargeld dabeihaben. Vor allem Menschen unter 40 würden diese Convenience-Vorteile schätzen.

Welche Argumente sprechen gegen die Nutzung?
Dies sind in erster Linie die Bedenken rund um den Datenschutz: 77 Prozent hätten Sorge, dass ihr Handy gestohlen und mit Mobile-Payment Missbrauch getrieben wird. 74 Prozent hätten Angst, dass sie zum gläsernen Kunden werden. 69 Prozent würden zudem befürchten, dass die Nutzung mobiler Bezahlarten sie zu einem schnelleren Kauf verleitet. 

Welche Bedingungen müssen die Anbieter erfüllen?
52 Prozent der Deutschen würden eine garantierte Sicherheit beim Bezahlen erwarten. 48 Prozent sei es wichtig, dass es keine versteckten Gebühren gibt. 43 Prozent wünschten sich die Möglichkeit, die auf dem Handy hinterlegten Bezahldienste nach Verlust des Handys zu sperren. Bei den jungen Verbrauchern spielen noch weitere Argumente eine Rolle: 45 Prozent der Bundesbürger zwischen 18 und 29 würden über Mobile-Payment auf Coupons, Rabatte oder Gutscheine zugreifen wollen.

Welchen Angeboten vertrauen die Kunden? 
Laut den Studienmachern trauen viele Menschen den großen Tech-Firmen, die häu?g alternative Zahlungsmethoden anbieten, nicht zu, dass ihre Daten dort sicher sind. Rund die Hälfte der Befragten gab an, dass die Anbieter alternativer Zahlungsmethoden oder Technologieunternehmen für sie keine Alternative zu den etablierten Banken darstellen. Die Hausbank genieße dagegen hohes Ansehen: Die Verbraucher würden alternative Zahlungsdienstleistungen am liebsten von einer Bank oder Sparkasse nutzen.

Public Image von Mobile Payment-Anbietern

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