Digitales Event zu Trends im Digital Payment

18.06.2021

Das jährliche Payment Symposium der S-Payment fand Corona-bedingt zum zweiten Mal in Folge als digitales Event den Weg auf die Bildschirme der Teilnehmerinnen und Teilnehmer - dies tat der Aktualität der Themen und der Live-Atmosphäre in Büros und Home-Office aber keinen Abbruch.

Die Veranstaltung stieß wieder auf großes Interesse und stellte mit 302 Teilnehmer:innen einen neuen Rekord auf. Souverän moderierten Frank Büttner, Mitglied der Geschäftsführung, Tanja Moll, Vertriebsleiterin und Maik Nau, Payment-Consultant (alle bei der S-Payment GmbH) den Tag und begleiteten die Zuhörer:innen durch die insgesamt neun Vorträge. 

Zukunft von Payments in Deutschland und Europa
Die Teilnehmer:innen hörten ein breites Spektrum praxisnaher Vorträge, die aktuelle und spannende Themen aus dem Payment-Markt beleuchteten. Ob am Point of Sale oder im E-Commerce, die Coronapandemie hat sich massiv auf den Handel ausgewirkt – auch beim Bezahlen. Der schon länger erkennbare Trend zum bargeldlosen Bezahlen beschleunigte sich rasant – vor allem kontaktlose und mobile Zahlverfahren treiben die Entwicklung voran. Dieser Effekt strahlt auch auf andere Branchen und Märkte ab, die nun ebenfalls die Vorteile digitaler Zahlungsmittel für ihre Marktteilnehmer und Kunden erkennen.

Den strategischen Rahmen setzte Joachim Schmalzl, Geschäftsführendes Vorstandsmitglied des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes, in seinem Eröffnungsvortrag: Neue Technologien, neue digitale Währungen, zunehmender Wettbewerb durch Internet-Giganten und Fintechs, aber auch nationale und europäische Payment-Initiativen würden auf die Geschäftsfelder der Sparkassen-Finanzgruppe einwirken – auch auf das Girokonto als Ankerpunkt für die Zahlungsverkehrsprodukte der Sparkassen.

Die Sparkasse müsse die finanzielle Heimat des Kunden bleiben, sagte Schmalzl. Die Ankerfunktion des Girokontos sei unbestritten. Es werde durch digitale Neuerungen attraktiver gemacht, die Interaktionsmöglichkeiten würden ausgebaut: Der Kunde solle überall „mit der Sparkasse bezahlen“ können; die Sparkassen würden alle zeitgemäßen Bezahlformen anbieten. „Über Payment versuchen wir, alle Kundentransaktionen in die Sparkasse zu bekommen“, so Schmalzl. „Payment ist ‚Sparkasse‘, weil wir es auf allen Kanälen ermöglichen.“ Jede Zahlung „mit der Sparkasse“ sei ein Beitrag für die vom Kunden erwartete Lösungskompetenz, generiere wertvolle Daten und helfe, Marktanteile und Erträge zu sichern. Das Ziel der Sparkassen-Finanzgruppe sei es, auf allen Kanälen einen Marktanteil von 40 Prozent zu erreichen.

Digitales Studio

© S-Payment GmbH

Die ganzheitliche Betrachtung von Digital Payments verlange aber auch das Mitdenken der Akzeptanzseite. In 2020 lag der Fokus mit dem Ausbau des mobilen Bezahlens – zum Beispiel der Integration der Girocard in Apple Pay – klar auf der Privatkundenseite. In diesem Jahr richteten sich die Aktivitäten auch verstärkt auf das Händlergeschäft. Mit dem Servicepaket „Digitaler KMU“ (Kassenkomplett-lösung, Einstiegsterminal mPOS, One-Stop-Online-Shop) und der App „Sparkasse POS“, die das bargeldlose Kassieren ohne zusätzliche Infrastruktur ermöglicht, würden die Verbundpartner die digitalen Payment-Angebote der Sparkassen vor allem für kleine und mittelständische Unternehmen weiterentwickeln.

Darüber hinaus engagiere sich die Sparkassen-Finanzgruppe auch im nationalen (#DK) und europäischen Rahmen (EPI), um das deutsche Payment-Ökosystem auszubauen und dessen Wettbewerbsfähigkeit im internationalen Kontext auch für die Zukunft zu sichern. Das Projekt #Digitale Kreditwirtschaft (#DK) will laut Schmalzl die bestehenden Payment-Verfahren optimieren und zu einem wettbewerbsfähigen Multikanalangebot bündeln. Um dies zu erreichen, würden in einem ersten Schritt die Bezahlverfahren Giropay, Paydirekt und Kwitt seit Mai unter der neuen Akzeptanzmarke „Giropay“ zusammengeführt.

Das Ziel von EPI sei der Aufbau einer starken paneuropäischen Zahlungslösung, die Instant Payment / SEPA Instant Credit Transfer (SCT Inst) nutzt, eine Kartenlösung für Verbraucher und Händler in ganz Europa vorsieht sowie eine digitale Geldbörse und P2P-Zahlungen anbieten wird. Die Lösung solle eine Alternative zu bestehenden internationalen Zahlungslösungen und -systemen werden und als neuer Standard für Zahlungen möglichst allen europäischen Verbrauchern und Händler zur Verfügung gestellt werden. Dabei würden alle Anwendungsbereiche von Zahlungen berücksichtigt, einschließlich PoS-, Online-, Bargeldabhebung- und Peer-to-Peer Transaktionen.

Die Relevanz von Payment-Partnerschaften
Die Bedeutung von Partnerschaften im Payment-Geschäft erläuterte Erik Meierhoff, Mitglied der Geschäftsführung der S-Payment. Bei über 48 Millionen Girokonten, mehr als 54 Millionen ausgegebenen Karten und über 410.000 Sparkassen-Terminals im deutschen Handel könnten sich Sparkassen natürlich die Frage stellen: „Warum brauchen wir überhaupt Payment-Partnerschaften? Es sind doch schon unsere Kunden?“ 

Die Digitalisierung führe jedoch zu einer exponentiellen Zunahme an Komplexität und relevanten Kundenkontaktpunkten. Gleichzeitig würden vor allem BigTechs versuchen, die Wertschöpfungskette mit eigenen Diensten, Services und Geräten zu besetzen. Über 40 Millionen Bundesbürger hätten alleine bei Amazon ein Kundenkonto. Darunter natürlich auch sehr viele Sparkassenkunden, die versucht sein könnten, die auf dieser Plattform angebotenen Payment-Lösungen zu nutzen. Daher könne in einer digitalen Umgebung der Zugang zu „unseren“ Kunden über das Einloggen sowie die Etablierung kreditwirtschaftlicher Zahlverfahren nur noch mittels proaktivem Partnermanagement gelingen. 

„Aber Augen auf bei der Partnerwahl“, warnte Meierhoff. Partnerschaftsmodelle seien vielfältig und reichten von Komplementär bis „Frenemy“– und funktionieren nur dann nachhaltig, wenn alle Beteiligten dauerhaft an der Wertschöpfung beteiligt sind.

Als aktuell erfolgreiche strategische Partnerschaften der S-Payment nannte Meierhoff zwei Kooperationen im Markt für „In-Car-Payment“:

Zum einen die Partnerschaft mit der EasyPark GmbH, deren App „Easy Park“ mit mehr als zwölf Millionen Anwendern die meistgenutzte Parking-App in Europa sei. Seit kurzem läuft EasyPark als erste europäische Parking-App auf der Fahrzeugsoftware Apple CarPlay, lasse sich aber auch ohne Smartphone über die Onboard-Systeme aktueller Modelle von Volvo, Mercedes und Polestar bedienen. EasyPark habe gemeinsam mit der S-Payment giropay als neue zusätzliche Bezahllösung in die App implementiert. 

Nahezu zeitgleich zu EasyPark habe die S-Payment GmbH gemeinsam mit der PACE Telematics GmbH das Zahlverfahren giropay auch in die PACE Drive App integriert. Damit können Autofahrer an bereits rund 700 Tankstellen ihre Tankfüllung mobil bezahlen. Im Rahmen ihrer Zusammenarbeit wollen S-Payment und PACE Telematics die Akzeptanz für die PACE-Drive-App im deutschen Tankstellennetz weiter ausbauen. 

Formeln für Digitale Transformationen
Die digitale Transformation ist heutzutage aus unser aller Alltagsleben nicht mehr weg zu denken, weshalb es umso wichtiger ist, sie zu verstehen und für die eigenen Produkte und Services zu nutzen. 

Glenn González, Chief Technology Officer bei SAP Deutschland, erläuterte den Teilnehmer:innen anhand verschiedener „Personae“ und Beispielen, wie sich die Erwartungshaltung der Konsument:innen zum Beispiel hinsichtlich der Bequemlichkeit, Nachhaltigkeit, Servicequalität oder des Einkaufserlebnisses zusammensetze. Die Erwartungshaltung wandele sich dynamisch von einer Generation zur nächsten und müsse vor allem bei der Entwicklung digitaler Produkte stets mit einbezogen werden. 

„Die Erwartungshaltung der Menschen ist eine Einbahnstraße“, sagte González. „Hat man einmal einen bestimmten technologischen Standard erreicht, der das Leben der Menschen einfacher und bequemer macht, wollen sie nicht mehr dahinter zurückfallen.“

Kontaktlos boomt im Lebensmitteleinzelhandel
Der digitale Wandel zeigt sich im Lebensmitteleinzelhandel unter anderem im deutlichen Anstieg bargeldloser Zahlungen an der Ladenkasse. Auch Steffen Ueltzhöfer, Geschäftsführer bei EDEKA Ueltzhöfer, und sein Sohn Florian, Prokurist und verantwortlich für IT, Vertrieb und Projektmanagement, nehmen diesbezüglich dramatische Veränderungen in ihren Läden wahr. 

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© Ingrid Wenzel

Lag die Verteilung zwischen bar und unbar im Jahr 2018 noch bei etwa 50:50, sei der Anteil bargeldloser Zahlungen bis Anfang 2021 bereits auf über 70 Prozent gestiegen. Alleine während der Corona-Lockdowns hätten sich die Transaktionsanteile um 145 Prozent zugunsten bargeldloser Zahlverfahren verschoben. 

Auch kontaktloses Bezahlen habe durch Corona einen massiven Schub in den Filialen erhalten: Lag der Kontaktlos-Anteil 2019 noch bei moderaten 20 Prozent, konnte er im Februar 2021 schon einen Anteil von rund 55 Prozent verbuchen.

Customer Journey, Convenience, Couponing – Omnichannel Retailing bei dm
Heutzutage ist es für Anbieter von Waren und Dienstleistungen immer wichtiger, sowohl stationär als auch online vertreten zu sein. Stefan Langendörfer, Fachverantwortlicher Zahlservices bei dm-drogerie markt, referierte über das Omnichannel Retailing bei dm. Es biete die Chance, alle physischen (offline) und digitalen (online) Kanäle zu verknüpfen und so ein nahtloses und einheitliches Kundenerlebnis zu kreieren. 

dm

© Ingrid Wenzel

Als Beispiel führte Langendörfer die kurzfristige Einführung der Express-Abholung während der ersten Corona-Welle Anfang März 2020 an. Die Kunden hätten über die dm-App ihre Produkte bestellt und den Abholort benannt. Die Praxis habe gezeigt, dass 90 Prozent der Kund:innen noch am gleichen Tag oder am nächsten verkaufsoffenen Tag ihre Bestellung abgeholt hätten. Die Vernetzung von stationärem und Online-Handel habe bei der Expressabholung auch zu einem breiten Mix an von den Kund:innen genutzten Zahlverfahren geführt.