Finanzbildung: mangelhaft

23.09.2021

Für die jungen Erwachsenen in Deutschland ist Finanzwissen eines der relevantesten Themen, um gut auf die Zukunft vorbereitet zu sein. Dennoch befassen sich viele der 18- bis 29-Jährigen nur ungern und selten mit ihren Finanzen.

Die Mehrheit der jungen Erwachsenen (85 Prozent) erwartet die Vermittlung von Finanzwissen bereits im schulischen Umfeld. Rund 69 Prozent sehen die Verantwortung zudem bei der Familie. Zusätzlich sollten aber auch die Medien (36 Prozent), die Politik (34 Prozent) und Finanzdienstleister (33 Prozent) über Finanzthemen informieren. Besonders in den Schulen ist die Finanzbildung aus Sicht der unter 30-Jährigen jedoch noch ausbaufähig. Das sind Kernergebnisse des aktuellen Anlegerbarometers mit dem Schwerpunkt Finanzbildung und Sparen von Union Investment.

01_Vermittlung Finanzwissen

© Union Investment

Demnach ordne mehr als die Hälfte der Befragten (64 Prozent) die Leistungen der Schulen als mangelhaft oder ungenügend ein, lediglich sechs Prozent hätten die schulische Finanzbildung als gut oder sehr gut beurteilt. Insgesamt ergebe sich für die Bildungsstätten im Durchschnitt die Note 4,8. Im Gegensatz würden Eltern bei der Vermittlung von Finanzwissen wesentlich besser abschneiden; die jungen Erwachsenen hätten ihre Leistungen durchschnittlich mit der Note 2,8 bewertet.

Folglich sei es nicht überraschend, dass fast zwei Drittel (61 Prozent) der Befragten ihr Wissen zu Finanzthemen als befriedigend bis ausreichend eingestuft hätten. Immerhin knapp jede:r Fünfte (19 Prozent) bewerte die eigene Finanzbildung als gut bis sehr gut. Genauso viele hätten ihr Wissen jedoch als mangelhaft bis ungenügend eingeschätzt. Insbesondere die befragten Schülerinnen und Schüler hätten sich selbst die Note 4 beziehungsweise Note 5 gegeben (32 Prozent).

02_Einschätzung eigenes FInanzwissen

© Union Investment

Relevant für den Alltag
Mit ein Grund für die schlechte Bewertung bei den befragten Schüler:innen sei die seltene Auseinandersetzung mit Finanzthemen: Der Großteil dieser (58 Prozent) bringe fast nie oder nur selten Zeit für die Themen Finanzen und Geld auf. Bei den jungen Erwerbstätigen würden sich hingegen rund 67 Prozent regelmäßig mit ihren Finanzen beschäftigen. Insgesamt befasse sich über die Hälfte der Befragten (58 Prozent) häufig oder manchmal damit.

Dabei sei die Finanzbildung für rund 90 Prozent der 18- bis 29-Jährigen mitunter eines der wichtigsten lebensvorbereitenden Themen. Damit stehe es nur knapp hinter „Gesundheit und Ernährung“ (91 Prozent), aber deutlich vor Themen wie „Technik und IT“ (81 Prozent) oder „Ökologie“ (68 Prozent).

Am meisten halte die Komplexität von Finanzthemen (42 Prozent) die jungen Erwachsenen davon ab, sich mehr Wissen anzueignen. Zusätzlich sei bei mehr als einem Drittel (39 Prozent) kein Interesse vorhanden. Einige (36 Prozent) würden sich aufgrund zu geringer finanzieller Mittel nicht intensiver damit beschäftigen. Für 14 Prozent sei Finanzwissen nicht relevant, da sich beispielsweise der Partner oder die Familie um die Finanzen kümmere.

Unwissen überwiegt
Mit Blick auf einzelne Finanzbereiche sind die jungen Erwachsenen laut eigener Aussage am besten über das Thema Zinsen informiert: 35 Prozent der Befragten würden ihre Kenntnisse im guten bis sehr guten Bereich sehen. Gleichzeitig würden sich aber fast genauso viele der 18- bis 29-Jährigen (32 Prozent) nur schlecht mit Zinsen auskennen. Eine deutliche Wissenslücke zeichne sich bei jeweils mehr als der Hälfte bei den Themen Rendite (52 Prozent) und Vermögenswirksame Leistungen (53 Prozent) ab – die jungen Generationen besitzen hier nur wenig bis gar kein Wissen.

03_Wissen in einzelnen Finanzthemen

© Union Investment

Beim Finanzwissen rund um Geldanlagen hätten sich die Befragten beim Sparbuch die besten Bewertungen gegeben. Rund 46 Prozent würden sich damit gut bis sehr gut auskennen. Bei Aktien hingegen seien es nur knapp 28 Prozent, bei Investmentfonds mit 23 Prozent sogar noch weniger.

Dennoch seien die jungen Erwachsenen dem Sparen nicht abgeneigt: Insgesamt lege mehr als die Hälfte (58 Prozent) regelmäßig etwas zurück; rund ein Drittel (33 Prozent) spare, wenn etwas übrig sei. Lediglich acht Prozent der Befragten würden auf das Sparen verzichten. Als geeignete Anlageform würden die 18- bis 29-Jährigen insbesondere Aktien (61 Prozent) und Immobilien (59 Prozent) sowie Investmentfonds (45 Prozent) betrachten.

04_Bereitschaft zu Sparen

© Union Investment

Finanzen kommen zu kurz
Dass das Finanzwissen der jungen Menschen – vor allem der Schülerinnen und Schüler – defizitär ist, bestätigt auch die aktuelle „Jugendstudie 2021“ des Bankenverbandes. Demnach seien rund 86 Prozent der Befragten nicht in der Lage gewesen, die derzeitige Inflationsrate in Deutschland zu benennen. Insgesamt habe die Mehrheit der 14- bis 24-Jährigen (2021: 68 Prozent, 2018: 40 Prozent) ebenso nicht gewusst, welche Aufgabe die Europäische Zentralbank erfüllt. Bei den Schüler:innen seien es sogar 83 Prozent – im Vergleich zur letzten Umfrage habe sich dieser Anteil nahezu verdoppelt (2018: 43 Prozent).

Auch hier zeigten sich bei der Finanzbildung rund um Geldanlagen Lücken: 41 Prozent der Befragten hätten angegeben, zu wissen was Investmentfonds sind – richtig erklärt hätten es jedoch nur 28 Prozent. Mit Aktien würden sich immerhin rund 69 Prozent der 14- bis 24-Jährigen auskennen, vor drei Jahren seien es allerdings noch 79 Prozent gewesen. Die Bekanntheit der Kryptowährung Bitcoin habe hingegen um sechs Prozent zugenommen. Damit sei der Mehrheit (85 Prozent) der jungen Generationen die Funktion von Bitcoins geläufig.

05_Stellenwert_Wirtschaft in Schulen

© Bundesverband deutscher Banken

Des Weiteren stellt auch die Jugendstudie fest, dass die Schulen ihre Leistungen bei der Finanzbildung verbessern sollten. Rund zwei Drittel der Befragten (68 Prozent) würden in der Schule nicht viel oder so gut wie nichts über Wirtschaft und Finanzen lernen. Drei Viertel (76 Prozent) würden sich wünschen, dass die Vermittlung von Finanzwissen im schulischen Umfeld künftig einen höheren Stellenwert einnimmt. Ebenso viele (77 Prozent) hätten sich für ein Schulfach „Wirtschaft“ ausgesprochen.

Weitere Ergebnisse der Studien finden Interessierte auf den Webseiten von Union Investment und dem Bankenverband.