Girocard hat im Handel das Bargeld fast eingeholt

07.05.2021

2020 haben im Handel die kartengestützten Bezahlsysteme ihren Vorsprung gegenüber Bargeld weiter ausgebaut. Beim Anteil am Gesamtumsatz liegen Kartenzahlungen schon knapp 16 Prozent vor Barzahlungen. Alleine die Girocard liegt jetzt nahezu gleichauf mit dem Bargeld.

Während Bargeld im vergangenen Jahr rund 29 Milliarden Euro Umsatz eingebüßt hat, ist der Kartenumsatz um 20 Milliarden Euro gestiegen. Das zeigen die Ergebnisse der diesjährigen Studie „Zahlungssysteme im Einzelhandel 2021“ des EHI Retail Institute (EHI). Demnach haben die Verbraucher im letzten Jahr pro Einkauf mehr Ware gekauft und deshalb  deutlich höhere Durchschnittsbeträge an den Kassen  bezahlt. Die Häufigkeit der Einkäufe hingegen sei zurückgegangen.

Karten als Gewinner der Krise
Im vergangenen Jahr hätten die Kartenzahlungen der Verbraucher einen Anteil in Höhe von 56,3 Prozent des gesamten Handelsumsatzes  (435 Milliarden Euro) ausgemacht. Der Anteil der Barzahlungen sei im Vergleich zum Vorjahr um 5,6 Prozent gesunken (2019: 46,5 Prozent).

Laut den Studienautoren hat vor allem die Coronapandemie diese Anteilsverschiebungen um etwa drei Jahre beschleunigt. Die Bundesbürger wären vielfach zu „Vorratskäufern“ geworden, die seltener einkaufen gingen, dann aber mehr Geld ausgeben würden. Diese Einkäufe würden sie häufiger per Karte bezahlen – zumal der  Handel zu Beginn der Krise verstärkt gebeten hätte, bargeldlos, und wenn möglich kontaktlos zu bezahlen.

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© EHI Retail Institute

Auch 2020 habe die Girocard ihren Umsatzanteil kräftig steigern können, und zwar um 6,5 Prozentpunkte (24,8 Milliarden Euro). Inzwischen erreiche allein die Girocard einen Anteil in Höhe von 40 Prozent des gesamten Einzelhandelsumsatzes. Dieser ist damit also beinahe so hoch wie der Bargeldanteil.

Durch die mehrfachen, pandemiebedingten Einschränkungen verzeichne der stationäre Handel einen Umsatzrückgang in Höhe von zehn Milliarden Euro (2019: 445 Milliarden Euro). Die teilweise in den zweistelligen Bereich gestiegenen Umsätze von SB-Warenhäusern, Supermärkten und Baumärkten hätten die insgesamt immensen Verluste sowie die Verlagerung des Umsatzes in den Online-Handel nicht auffangen können. 

Zunehmend kontaktlose Transaktionen
Laut den Studienmachern haben das kontaktlose sowie mobile Bezahlen weiter an Bedeutung gewonnen. Der Anteil der kontaktlosen Transaktionen liege bei der Girocard derzeit bei 60 Prozent und macht mehr als die Hälfte (55 Prozent) des Girocard-Umsatzes aus. Bei den Zahlungen mit Kreditkarte liege der Kontaktlosanteil sogar bei 75 Prozent. Das Bezahlen mit dem Smartphone habe einen Anteil zwischen fünf bis zehn Prozent aller kontaktlosen Transaktionen.

Die Zahl der Einkäufe im deutschen Handel sei 2020 stark rückläufig: Bei einem signifikant höheren Durchschnitts-Bon sei diese von 20 Milliarden auf 18,25 Milliarden gesunken (-8,75 Prozent). Das kartengestützte Bezahlen habe rund 798 Millionen Transaktionen hinzugewonnen – inzwischen werde jeder dritte Einkauf mit Karte bezahlt. Derweil hätten die Barzahlungen im vergangenen Jahr 2,5 Milliarden Transaktionen verloren. Trotzdem seien noch 66 Prozent aller Transaktionen bar. 

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© EHI Retail Institute

Apps mit Zahlungsfunktion
Die zukünftige stationäre Akzeptanz von Online-Zahlungsarten sowie händler-eigene Apps – zunehmend auch mit Zahlungsfunktion, digitalen Kassenbons und Self-Checkout/Self-Payment – würden für den Handel eine immer größere Rolle spielen. Laut EHI planten rund zwei Drittel aller großen Handelsunternehmen, in nächster Zeit im Interesse der Kunden verstärkt in die Modernisierung ihrer bargeldlosen Zahlungsakzeptanz zu investieren.