Gold glänzt bei den Privatanlegern

28.05.2021

Das Vertrauen der Privatanleger:innen in Gold hat in den letzten zwei Jahren erneut zugenommen. Vor allem 2020 war diese eher traditionelle Wertanlage für die Deutschen deutlich attraktiver als die derzeit "gehypten" Kryptowährungen. Überraschenderweise haben vor allem die unter 25-Jährigen vermehrt Gold gekauft.

Inzwischen ist der Goldbesitz der deutschen Privathaushalte mit 9.089 Tonnen fast drei Mal so hoch wie der Bestand der Bundesbank. Summa sumarum halten die Deutschen damit einen Anteil von knapp sechs Prozent an den weltweiten Goldvorräten. Durch den erheblich gestiegenen Goldpreis hat sich der Wert des Besitzes um rund 166 Milliarden Euro auf 616 Milliarden Euro (2019: 450 Milliarden Euro) erhöht. 

Das sind Ergebnisse der aktuellen Studie „Goldinvestments 2021: Indikatoren, Motive und Einstellungen von Privatpersonen“, die das CFin - Research Center for Financial Services der Steinbeis-Hochschule Berlin im Auftrag der Reisebank unter 2.000 Bürger:innen in Deutschland durchgeführt hat. 

Illu_Reisebank-Goldstudie_2021

© ReiseBank AG

Sichere Wertanlage
Mehr als ein Viertel der Anleger:innen habe durchschnittlich über 4.000 Euro für den Kauf von Anlagegold ausgegeben – davon hätten knapp fünf Prozent in den letzten beiden Jahren erstmals Gold erworben. Die Mehrheit der Käufer:innen (53 Prozent) habe auf Barren als Wertsicherungsgut zurückgegriffen. Immerhin knapp ein Drittel habe das Gold aber lieber in Form von Münzen erworben.

Der Großteil der Befragten (77 Prozent) wolle auch zukünftig Gold kaufen: Hauptgründe für den Erwerb seien laut der Studie der Werterhalt, der Schutz vor Inflation sowie die Ästhetik des Goldes. Das Vertrauen in die Wertanlage zeige sich auch in der großen Bereitschaft der Investierenden (rund 82 Prozent) das Edelmetall trotz des hohen Goldpreises erstmal nicht zu veräußern. 

Goldaffinität der Jüngeren
Im Zuge der Pandemie hätten vermehrt auch jüngere Menschen Gold für sich entdeckt. Vor allem die Generation Z, welche die Jahrgänge von 1995 bis 2010 umfasst, habe mit knapp 23 Prozent signifikant mehr Gold gekauft als die Gesamtheit der Befragten (15,6 Prozent). Mit durchschnittlich rund 2.900 Euro hätten die jüngeren Anleger:innen aber deutlich weniger Kapital investiert, bei den Älteren seien es mehr als 4.500 Euro gewesen. Dieser Unterschied überrasche jedoch nicht, da die unter 25-Jährigen gewöhnlich auch weniger finanzielle Mittel zu Verfügung hätten.

Erstaunlich sei aber, dass die Generation Z im Gegensatz zum Rest der Käufer:innen ihr Gold häufiger von stationären Händler:innen beziehe. Zudem achte sie wesentlich stärker auf die Nachhaltigkeit des Goldes – die Mehrheit der Jungen (69 Prozent) würde dafür auch mehr Geld in die Hand nehmen. Die Studienautor:innen rechnen auch in diesem Jahr mit einer hohen Nachfrage, da die treibenden Faktoren (zum Beispiel die Niedrigzinsphase) unverändert bestehen bleiben.

Investitionen in Aktien steigen
Wie die Welt am Sonntag kürzlich berichtete, hat aufgrund der durch die „Null-Zins-Politik“ immer unattraktiverer Anlageformen auch die Börse von den Deutschen 2020 mehr Aufmerksamkeit bekommen. Insgesamt hätten rund zehn Prozent der Bürger:innen erstmals an der Börse investiert – bei den unter 30-Jährigen seien es sogar knapp 20 Prozent. 

Laut einer repräsentativen Umfrage der Postbank hat insbesondere die Corona-Krise viele Deutsche zu Aktien-Investitionen bewegt. Knapp elf Prozent hätten aber auch schon vorher ihr privates Kapital für den Aktienkauf eingesetzt. Dennoch besitze mehr als die Hälfte der Deutschen (60 Prozent) nach wie vor keine Wertpapiere. Bei den 18- bis 29-Jährigen sei dieser Anteil mit 46,5 Prozent deutlich geringer. 

Der Aktienmarkt habe im vergangenen Jahr wesentlich von drei Entwicklungen profitiert: Zum einen hätten rund 45 Prozent der Befragten mehr Geld zur Verfügung, bei den unter 30-Jährigen sei es mehr als die Hälfte (57 Prozent). Das sei insbesondere auf die ausbleibenden Konsumausgaben für Freizeitaktivitäten wie zum Beispiel für Clubs, Kino- oder Restaurantbesuche zurückzuführen. 

Zum anderen hätten „Neobroker (Online-Handelsplattformen)“ den Einstieg in die Börse gerade für die jüngeren Investor:innen attraktiver gemacht. Denn diese kommen dem meist niedrigeren Budget der jüngeren Generationen entgegen, da es auf den Plattformen teilweise möglich sei, schon für einen Euro pro Transaktion zu handeln. Darüber hinaus sei die Aktienanlage unmittelbar nach einem Tiefpunkt der Börse zum Trend geworden. Das habe positive Erfahrungen mit dem Aktienmarkt begünstigt, weshalb vor allem junge Menschen Gefallen am Investieren gefunden hätten.