Kaum Betrugsschäden durch Kontaktlos-Zahlungen

25.02.2021

Die Euro Kartensysteme (EKS) meldet in der "Debitkarten-Schadensstatistik" für 2020 insgesamt 13,6 Prozent mehr Betrugstransaktionen mit Debitkarten als im Vorjahr. Allerdings stieg die Gesamtanzahl an Girocard-Transaktionen in 2020 auch um 21,7 Prozent. Gemessen daran stieg die Schadenssumme nur relativ gering um etwa fünf Prozent.

Die PIN bei der Karte – immer noch ein Problem
Laut EKS werden 94 Prozent der Bruttoschäden durch verlorene oder gestohlene Debitkarten (Lost/Stolen-Fälle) verursacht, lediglich sechs Prozent der Schäden werden durch Dublettenfälle erzeugt.

Bei den Lost/Stolen-Fällen seien die Bruttoschäden gegenüber dem Vorjahr um acht Prozent gestiegen. Bemerkenswert sei in diesem Zusammenhang auch in diesem Jahr, dass ein Großteil der als gestohlen oder verloren gemeldeten Karten zusammen mit der PIN abhandenkomme.

Lost/Stolen: Verschiebung zum POS
Die Anzahl der Schadensfälle im Bereich Lost/Stolen an Geldautomaten sei um etwa 13 Prozent gesunken. Dagegen seien die Brutto-Schäden durch Lost/Stolen-Fälle beim Einsatz an POS-Terminals im aktuellen Berichtszeitraum (Januar bis Dezember 2020) gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 30 Prozent gestiegen. 

Hier zeichne sich eine Verschiebung vom Einsatz der Lost/Stolen-Karten am Geldautomaten hin zum betrügerischen Einsatz am POS-Terminal ab.

Offenbar würden die als verloren oder gestohlen gemeldeten Debitkarten auch vermehrt für Kleinstbetragszahlungen eingesetzt. Die Anzahl dieser Transaktionen sei etwa um zwei Drittel gestiegen.

Kein erhöhtes Risiko durch Kontaktlos-Zahlungen
Die oft beschworene Gefahr durch kontaktlose Transaktionen, auch im Zusammenhang mit der im April 2020 erfolgten Erhöhung des Limits für kontaktlose Transaktionen an POS-Terminal auf 50 Euro, scheint sich laut EKS nicht zu bestätigen. 

Die Kontaktlos-Auswertung zeige, dass die kontaktbehafteten Transaktionen an POS-Terminals und Geldautomaten über 60 Prozent der Gesamtzahl an Lost/Stolen-Transaktionen ausmachten und über 98 Prozent der Schäden aller Lost/Stolen-Fälle verursachen würden. 

Die Transaktionen, die kontaktlos ohne PIN am POS durchgeführt wurden, bildeten zwar über 39 Prozent der gesamten Betrugstransaktionen, generierten aber nur 1,6 Prozent des Gesamtschadens im Bereich Lost/Stolen. Auch auf Fallebene sei festzustellen, dass in über 70 Prozent der Fälle ausschließlich kontaktbehaftete Transaktionen stattgefunden hätten.

Rückgang der Dublettenschäden hält weiter an
Die Brutto-Schäden durch den Einsatz von Kartendubletten an Geldautomaten seien in 2020 gegenüber dem Vorjahr um fast 30 Prozent gesunken. Auch die Anzahl der Transaktionen sei um 28 Prozent gefallen. Wie in den vergangenen Jahren halte der konstante Rückgang von Dublettenschäden also an und die Erfolgsgeschichte des EMV-Chips setze sich weiter fort. 

Zwar fänden nach wie vor Manipulationen an inländischen Geldautomaten statt, jedoch seien auch im Jahr 2020 keine Dubletten an deutschen Geldautomaten erfolgreich eingesetzt worden. Und auch im Ausland sei der Einsatz von Dubletten an Geldautomaten zurückgegangen. 

Laut EKS lag der Schwerpunkt der Dubletteneinsätze im Jahr 2020 weiterhin in Indien, mit einem Anteil von 42 Prozent, und den USA mit 21 Prozent, gefolgt von Indonesien mit etwa 18 Prozent. Mehr als vier Fünftel aller betrügerischen Karteneinsätze hätten ausschließlich in diesen drei Ländern stattgefunden.