Kommunen setzen auf Karte und kontaktlos

04.06.2021

Für das Parkticket, die Bücherei-Gebühren oder das neue Kfz-Nummernschild - Kommunen akzeptieren immer häufiger unbare Zahlungen für ihre Dienstleistungen. Knapp neun von zehn Kommunen bieten bargeldlose Zahlverfahren an. Von den übrigen plant rund ein Viertel deren Einführung.

Das sind Kernergebnisse der aktuellen infas quo-Umfrage im Auftrag der Initiative Deutsche Zahlungssysteme (IDZ) in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Städte- und Gemeindebund (DStGB). Bereits im Jahr 2014 befragten die IDZ und der DStGB Kommunen zum Status quo und zu künftigen Potentialen moderner Bezahlsysteme. Die diesjährige Erhebung zeigt, dass das bargeldlose Bezahlen inzwischen vielerorts fester Bestandteil des Alltags ist.Veränderung des Bezahlverhaltens der Kunden durch die Pandemie

© IDZ und DStGB

Einsatz der beliebten Girocard
Insbesondere in der Verwaltung seien die Kommunen gut aufgestellt: Rund 90 Prozent würden dort unbare Zahlungen akzeptieren – ob mit Karte, kontaktlos oder mobil spiele dabei so gut wie keine Rolle. 2014 hätten noch 70 Prozent der Kommunen bargeldlose Bezahlverfahren angeboten.

Auch die kleineren Kommunen würden nunmehr mit den „Großen“ mithalten: Beinahe jede Kommune mit 50.000 oder mehr Einwohner:innen  (96 Prozent) ermögliche elektronische Zahlungen in der Verwaltung. Bei den Kommunen mit weniger als 10.000 Einwohnerinnen und Einwohnern seien es bereits 79 Prozent.

„Die Pandemie wirkt als Katalysator und hat eine neue Dynamik in die Digitalisierungsprozesse gebracht, gerade auch beim Bezahlen. Nach der aktuellen Umfrage von IDZ und DStGB wurde in jeder zweiten Kommune in der Pandemie deutlich mehr bargeldlos bezahlt“, sagt Dr. Gerd Landsberg, Hauptgeschäftsführer des DStGB.

Aktueller Einsatz von bargeldlosem Bezahlen in der Verwaltung

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Bei den elektronischen Zahlverfahren habe die Girocard ihre Pole-Position in den vergangenen Jahren gehalten. Mit Blick auf alle eingesetzten Zahlungsmittel in den Bürgerämtern sei die Girocard nach Bargeld somit das Beliebteste. Danach folgten die Überweisung beziehungsweise der Rechnungskauf, das elektronische Lastschriftverfahren (ELV) sowie die Kreditkarte.

Kontaktlos – das neue Normal?
Laut den Studienmacher:innen bevorzugen nach aktuellen Statistiken der Deutschen Kreditwirtschaft die Konsumentinnen und Konsumenten mittlerweile die kontaktlose Nutzung der Girocard: 60 Prozent aller Transaktionen werden berührungslos abgewickelt, knapp 90 Prozent der Terminals im Handel sind kontaktlosfähig. In den Verwaltungen könne die Mehrheit der Girocard-Zahlungen (78 Prozent) derzeit aber nur mittels Stecken der Karte und PIN-Eingabe erfolgen. Bisher setze gerade mal etwas mehr als die Hälfte der Kommunen zusätzlich auf die kontaktlose Variante.

Mögliche Bezahlarten_Bürgerämter

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Auch außerhalb der Verwaltung seien zunehmend Alternativen zur Barzahlung zu finden. 2014 habe der Fokus dabei noch vorrangig auf dem Einsatz in Erlebnis- und Schwimmbädern, Büchereien sowie an Parkscheinautomaten gelegen. Inzwischen nehme für viele Kommunen die Relevanz der elektronischen Zahlungen aber insbesondere im Bereich der Mobilität zu: Die Mehrheit (86 Prozent) habe sich für eine Akzeptanz von Girocard-Zahlungen an öffentlichen Ladesäulen, im Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) und beim Parken ausgesprochen.

Laut den Studienautoren und Studienautorinnen ist das Potenzial im Mobilitätsbereich jedoch noch nicht ausgeschöpft. An den E-Ladesäulen, die die befragten Kommunen bereits aufgestellt haben, liege die Akzeptanz der Girocard aber immerhin schon bei 45 Prozent. Dagegen könne diese Bezahloption lediglich an 15 Prozent der Parkscheinautomaten genutzt werden. An beiden Akzeptanzstellen spiele auch die Bezahlung via App bereits eine entscheidende Rolle.

Dienstleistungen online nutzen und bezahlen
Die Nachfrage nach digitalen Dienstleistungen sei vor allem 2020 stetig gewachsen. Doch der Ausbau schreite nur langsam voran: 2014 hätten in 13 Prozent der Kommunen Dienstleistungen online genutzt und bezahlt werden können. Dieser Wert sei in den vergangenen Jahren gerade einmal um sieben Prozentpunkte auf 20 Prozent gestiegen. Weitere 18 Prozent hätten angegeben, dass Dienstleistungen zwar online genutzt, aber noch nicht bezahlt werden können.

Nutzung von Dienstleistungen via Internet

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Auch wenn zum jetzigen Zeitpunkt also noch Luft nach oben besteht, tragen die Kommunen dem allgemeinen Wunsch nach bargeldlosen Zahlungssystemen Rechnung: Fast die Hälfte der Befragten (48 Prozent) sehe das kontaktlose Bezahlen per Girocard in den kommenden Jahren klar als bevorzugtes Zahlverfahren. Kontaktbehaftete Methoden wie zum Beispiel die Barzahlung werden den Kommunen zufolge nur noch von geringer Bedeutung sein.

Weitere Ergebnisse der Studie finden Sie im Exposé.