Kontaktlos spielt bei Kreditkartenbetrug kaum eine Rolle

15.09.2020

Nur etwa jede 14.000. Karte von mehr als 100 Millionen Girocards der Banken und Sparkassen war im ersten Halbjahr 2020 von Diebstahl oder Dublettenbetrug betroffen. Das ist ein Anteil von lediglich 0,007 Prozent.

Das zeigt der aktuelle Bericht der Euro Kartensysteme (EKS) zur „Entwicklung des Missbrauchs mit von deutschen Zahlungsdienstleistern herausgegebenen Debit-Karten“ für den Zeitraum Januar bis Juli 2020. Insgesamt wurden 7445 Betrugsfälle registriert mit einer Gesamtschadenssumme in Höhe von rund 8,7 Millionen Euro. Den weitaus größten Anteil an der Schadenssumme hätten Diebstahlsfälle ausgemacht (rund 92 Prozent), während auf Kartenfälschungen nur noch etwa acht Prozent des Betrugsvolumens zurückzuführen seien. Im Vergleich zu den 47,3 Millionen Euro Gesamtschadenssumme von Januar bis Juli 2010 bewertet die Euro Kartensysteme dies als eine überaus positive Bilanz, die zum Großteil der EMV-Einführung und auch der Aufklärungsarbeit zuzuschreiben sei.

Geringere Schäden pro Transaktion und Schadensfall
In mehr als drei Viertel aller Diebstahlsfälle seien die Kriminellen auch an die Geheimzahl gelangt. Nur knapp 25 Prozent der Betrugsfälle seien ohne Verwendung der PIN registriert worden. Das seien dann in der Regel die Kleinstbetrags-Schäden am POS, die kontaktlos und ohne PIN vorgenommen werden. Lag der Durchschnittsschaden laut EKS pro Transaktion bei Diebstahls- und Verlustfällen in 2018 noch bei 187 Euro, beträgt er heute nur noch 86 Euro. Der Durchschnittsbetrag pro Schadensfall lag lange über 400 Euro, geht aber seit zwei Jahren zurück und liegt aktuell unter 300 Euro.

Kontaktlos bei den Betrugsfällen kaum relevant
Die Betrüger würden gestohlene Karten am POS überwiegend kontaktlos ohne PIN einsetzen, nämlich bei rund 64 Prozent solcher Betrugstransaktionen. Kontaktlos mit PIN seien nur knapp zwei Prozent betrügerische Zahlungen an den Händlerkassen durchgeführt worden. Bei knapp 34 Prozent der Diebstahltransaktionen seien gestohlene Karten auf klassische Weise gesteckt worden.

Der Diebstahlsschaden pro Transaktion „kontaktlos ohne PIN“ liege im Durchschnitt bei nur knapp elf Euro. Kontaktbehaftet hätten die Betrüger Einkäufe im Durchschnittswert von rund 224 Euro bezahlt. Der Prozentanteil aller Kontaktlostransaktionen, also sowohl mit als auch ohne PIN, an den gesamten Lost/Stolen-Transaktionen liege zwar bei 38 Prozent, der entsprechende Schaden aber nur bei zwei Prozent.

Geldautomaten-Manipulationen sind seltener, aber umfangreicher
Schon zum Ende des ersten Halbjahres haben laut EKS die Sperraufforderungen (Sicherheitsmitteilungen) infolge von Datenabgriffen an manipulierten Geldautomaten über 90 Prozent des Volumens des gesamten Jahres 2019 erreicht. Sollte sich diese Entwicklung weiter fortsetzen, ergebe das bis zum Jahresende knapp 30.000 betrügerisch ausgelesene Kartendaten.

Zwei Gründe für den Anstieg lassen sich benennen: Zum einen würden die Manipulationszeiträume länger dauern als im vergangenen Jahr. Dadurch hätte eine deutlich höhere Zahl von Kartendaten abgeschöpft werden können. Zum anderen hätten sich die Täter auf höher frequentierte Geldautomaten fokussiert, beispielsweise auf Deutschlands umsatzstärkster Einkaufsstraße, der Frankfurter Zeil. Der aus den Manipulationen erfasste Schaden liege mit 0,7 Millionen Euro von Januar bis Juli 2020 auf absolut niedrigem Niveau.

Betrugs-„Hotspots“ im In- und Ausland
Auch in das Ranking der Angriffsorte für Geldautomaten-Manipulationen sei Bewegung gekommen. Nun seien Hessen und Nordrhein-Westfalen Spitzenreiter mit je 29 Meldungen von insgesamt 88. Es folge Niedersachsen mit 15 Angriffen. Der Hauptschauplatz der letzten Jahre, Berlin, komme nur noch auf sechs Meldungen. 

Häufigster Point of Compromise (POC) im Ausland für gestohlene oder gefälschte deutsche Girocards sei Großbritannien mit 36 Fällen von Datenabgriffen, gefolgt von Indonesien (13) und Italien (elf). Kartendubletten würden vor allem noch in Indien erfolgreich eingesetzt (46 Prozent des Schadens) sowie in den USA (21 Prozent) und Indonesien (15 Prozent). Dort fänden die Täter immer noch Geldautomaten ohne EMV-Technologie vor.