Kriminalstatistik: Weniger Betrug im Girocard-System

20.04.2021

Die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) für das Jahr 2020 dokumentiert den niedrigsten Stand an Straftaten seit dem Jahr 1993. Kleiner Wermutstropfen: Betrugsfälle mit Zahlungskarten nahmen leicht zu. Nur nicht im Girocard-System - hier gab es bei deutlich mehr Transaktionen sogar einen leichten Rückgang.

Am 15. April stellten Bundesinnenminister Horst Seehofer, der Vorsitzende der Innenministerkonferenz (IMK), der Innenminister Baden-Württembergs, Thomas Strobl, und der Präsident des Bundeskriminalamtes, Holger Münch, die Ergebnisse der PKS in Berlin vor.  

Bei der Straftaten-Gruppe „Diebstahlkriminalität“ sind in nahezu allen Deliktsbereichen  Rückgänge zu verzeichnen. Dies gilt auch für den Diebstahl von unbaren Zahlungsmitteln: 2020 gab es insgesamt 85.263 erfasste Fälle, im Vergleich zum Jahr 2019 ein Rückgang um 12,4 Prozent (2019: 97.279 Fälle).

Kriminelle Handlungen in Verbindung mit Zahlungskarten ordnet das Bundeskriminalamt (BKA) den Betrugsdelikten zu. Im Bereich „Betrug bzw. Computerbetrug mittels rechtswidrig erlangter unbarer Zahlungsmittel“ registrierten die Polizeibehörden für das vergangene Jahr 64.670 Fälle. Damit hat die Anzahl gegenüber dem Vorjahr um rund 5.650 Fälle (+ 9,6 Prozent) zugenommen. Die Aufklärungsquote für diese Deliktsgruppe wird mit 28,2 Prozent angegeben (2019: 30,1 Prozent).

Girocard bestätigt Ruf als sicheres Bezahlverfahren

Die Kriminalstatistik verzeichnet bei Betrugsfällen im Girocard-System („Betrügerischer Gebrauch von rechtswidrig erlangten Debitkarten mit PIN an Geldautomaten und am POS“) für 2020 einen leichten Abfall um 1,3 Prozent auf rund 22.000 Fälle. Das ist eine sehr erfreuliche Entwicklung angesichts der Tatsache, dass die deutschen Verbraucher im letzten Jahr rund eine Milliarde Mal häufiger mit ihrer Girocard an der Kasse bezahlten (insgesamt 5,5 Milliarden Transaktionen, Steigerung um 21,7 Prozent).

Beim „Betrug bzw. Computerbetrug mit Debitkarten ohne PIN (Elektronisches Lastschriftverfahren)“ wurden 12.241 Fälle erfasst, ein leichter Anstieg von 1,2 Prozent. Obwohl der Anteil an ELV-Zahlungen im deutschen Handel seit Jahren stetig rückläufig ist – mit nochmal zwei Prozentpunkten Verlust im Jahr 2020 – führte dies erstaunlicherweise nicht dazu, dass auch die Fallzahlen weiter sinken. Im Jahr 2019 hatte der „Schwund“ des Lastschriftverfahrens sich noch mit einem deutlichen Rückgang von 27 Prozent bei den Delikten in der PKS niedergeschlagen.

Die Aufklärungsquote der Betrugsfälle mit Debitkarten – sowohl mit als auch ohne PIN – entspricht in etwa der des Vorjahres. Die Ermittlungsbehörden konnten laut BKA auch im Jahr 2020 nur weniger als ein Drittel der Straftaten in Verbindung mit Debitkarten aufklären.

Die PKS für die Bundesrepublik Deutschland wird vom Bundeskriminalamt (BKA) auf der Grundlage der von den 16 Landeskriminalämtern zugelieferten Landesdaten erstellt. Sie ist eine sogenannte Ausgangsstatistik. Das bedeutet, dass in ihr die der Polizei bekannt gewordenen und durch sie endbearbeiteten Straftaten, einschließlich der mit Strafe bedrohten Versuche und der vom Zoll bearbeiteten Rauschgiftdelikte, abgebildet werden und eine statistische Erfassung erst bei Abgabe an die Staatsanwaltschaft erfolgt.