Die Liebe der Deutschen zum Bargeld bröckelt

15.09.2020

Das Bild Deutschlands als Barzahlerland entspricht nicht mehr der Realität. Bezahlen per Karte oder Smartphone wird im Alltag immer selbstverständlicher.

Die Kartenzahlung boomt
Die Kartenzahlung habe in den letzten Jahren bereits einen deutlichen Schub erlebt, der besonders im Jahr 2020 nochmals zugenommen habe: Im laufenden Jahr hätten nur noch 52 Prozent der Befragten angegeben, grundsätzlich am liebsten bar zu bezahlen. In den Jahren 2016 und 2019 seien es noch 66 respektive 60 Prozent gewesen. Diese Zahlen lieferte eine repräsentative Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach zu den aktuellen Bezahltrends in Deutschland. Die Initiative Deutsche Zahlungssysteme befragte hierfür 1237 Personen. 

Die letzten Einkäufe habe Anfang Juli 2020 bereits fast jeder Zweite (48 Prozent) mit Karte bezahlt. Auch gebe es noch klare Unterschiede zwischen den Altersgruppen: Bei den 30- bis 44-Jährigen (61 Prozent) dominiere die Kartenzahlung inzwischen genauso wie bei den 45- bis 59-Jährigen (54 Prozent). Im Gegensatz dazu würden die über 60-Jährigen noch vorwiegend bar bezahlen (65 Prozent), obwohl sich auch hier wachsende Sympathien für die Kartenzahlung beobachten ließen (von 24 Prozent im Jahr 2019 auf 35 Prozent 2020). Am „fortschrittlichsten“ sei wieder einmal die Jugend eingestellt: Zehn Prozent der 16- bis 29-Jährigen hätten nach eigener Aussage die letzten Einkäufe mit dem Handy beglichen, bei den 30- bis 44-Jährigen acht Prozent.

Der Trend zur Karte sei eindeutig, benötige aber Zeit. Das kontaktlose Bezahlen jedoch ist laut den Studienmachern von den Verbrauchern so schnell angenommen worden wie keine Funktion der Girocard jemals zuvor. Bereits heute gäbe jeder Zweite an, schon einmal berührungslos gezahlt zu haben – 2019 seien es noch 30 Prozent gewesen. Viele sähen diese neue Art des Zahlens als besonders schnelles, bequemes Verfahren an und würden sich zusehends daran gewöhnen.

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© Initiative Deutsche Zahlungssysteme e.V.

Der Einfluss von Corona
Die anhaltende Coronakrise beeinflusse auch die Nutzung und Verbreitung elektronischer und insbesondere auch kontaktloser Zahlungssysteme. 39 Prozent der Befragten hätten nach eigenen Aussagen in den letzten Wochen aufgrund der Pandemie bewusst häufiger mit Karte bezahlt und fast die Hälfte (44 Prozent) habe angegeben, auch nach der Krise dieses Verhalten beibehalten zu wollen.

Dies betreffe nicht nur größere Einkaufssummen, sondern auch Kleingeldbeträge bis 25 Euro. Hier dominiere bisher noch das Bargeld mit 68 Prozent, jeder Fünfte (21 Prozent) bezahle diese kleineren Summen jedoch jetzt schon lieber mit der Girocard, vier Prozent sogar am liebsten mit dem Smartphone. Nur drei Prozent würden hierfür die Kreditkarte verwenden. Hauptsächliche Gründe für die Zahlung mit Karte oder Smartphone für Beträge unter 25 Euro seien die einfache Handhabung (83 Prozent), Schnelligkeit (79 Prozent) und das Wegfallen der Sorge, immer ausreichend Bargeld dabei haben zu müssen (77 Prozent). 

Auch das Smartphone gewinnt beim Bezahlen an Bedeutung
Zunehmend würden auch immer mehr Verbraucher erkennen, dass das Bezahlen mit dem Smartphone ebenfalls schnell und praktisch sein kann. Nicht jeder nutze es, 41 Prozent der Befragten fänden es jedoch bereits heute modern, über das Smartphone zu bezahlen und jeder Fünfte (20 Prozent) halte es für besonders schnell. Fast ein Viertel (24 Prozent) könne sich schon heute vorstellen, per Smartphone zu bezahlen. Grundlegend für das Bezahlen mit dem Smartphone ist eine bundesweit flächendeckende Akzeptanzinfrastruktur. Die Sparkassen haben hier mit ihrer Integration der Girocard in Apple Pay Pionierarbeit geleistet.

Die beschleunigte Akzeptanz der Kontaktlosfunktion sowie das – vor allem durch Corona bedingte – nachhaltige Umdenken der Bürger deute darauf hin, dass in Zukunft häufiger der Griff zum Smartphone statt zum Portemonnaie erfolgt. Das Smartphone wird sich beim elektronischen Bezahlen langfristig etablieren – die Karte ist es schon längst.