Nachhaltiger Wandel von Bargeld zu Karten

09.11.2020

Infolge der Coronakrise wird der Transaktionsanteil des Bargelds an den deutschen Einzelhandelskassen in diesem Jahr um fünf Prozent und der Umsatzanteil gar um 5,3 Prozent zurückgehen. Zulegen können hingegen die verschiedenen Varianten der Kartenzahlung, so die Ergebnisse der aktuellen EHI-Studie, die im Rahmen des EHI Payment Kongresses 2020 vorgestellt wurde.

Bargeld verliert, Girocard gewinnt

Bargeld büße demnach rund eine Milliarde Transaktionen im Gesamtwert von 27,927 Milliarden Euro ein. Insbesondere das Bezahlen per Girocard und in deutlich geringerem Maße auch das Bezahlen per Kreditkarte würden davon profitieren: Der Anteil der Girocard werde von 33,6 auf 40,2 Prozent steigen, während das Lastschriftverfahren auf 5,8 Prozent etwa zwei Prozentpunkte verliere. Dennoch seien beide Varianten der Girocard-Nutzung im Handel gemeinsam mit einem Anteil von 46 Prozent erstmals und sogar deutlich umsatzstärker als Bargeld.

„In jedem Fall wird das Jahr 2020 als das wachstumsstärkste Jahr für unbares Bezahlen in Deutschland seit Beginn der regelmäßigen Erhebungen durch das EHI im Jahr 1994 eingehen“, so Horst Rüter, Leiter des Forschungsbereichs Zahlungssysteme und Mitglied der Geschäftsleitung des EHI. Nur vergleichsweise moderat würden Kreditkarten in der Krise profitieren können: Ihr Anteil erhöhe sich von 7,6 auf 8,4 Prozent. Hierbei seien auch App-basierte mobile Zahlungen, zum Beispiel via Apple Pay oder Google Pay, berücksichtigt.

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© EHI Retail Institute

Der Hygiene wegen

In der Krise, insbesondere während der ersten Lockdown-Phase im März und April, haben Handelsunternehmen aus Hygieneerwägungen zum Schutz von Kundschaft und Kassenpersonal verstärkt kontaktloses Bezahlen propagiert. Ein Großteil der gewonnenen Umsatzanteile sei auch in der Phase abgeschwächter Infektionszahlen bis August erhalten geblieben. Seit September lege der Anteil unbarer Bezahlarten sogar wieder zu.

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© EHI Retail Institute

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© EHI Retail Institute

LEH als Treiber der Entwicklung

Erhebliche Zugewinne beim bargeldlosen Bezahlen seien vor allem im Lebensmitteleinzelhandel zu verzeichnen: Den Berechnungen des EHI zufolge werde der Umsatzanteil von Bargeld bei Lebensmittel-Discountern in diesem Jahr um ganze zehn Prozentpunkte von 56,2 auf 46,0 Prozent schrumpfen. Ein ähnliches Bild ergebe sich auch in den Großflächenbetrieben des Lebensmittel-Einzelhandels, bei denen sich der Bargeldanteil von 47,2 auf 39,5 Prozent reduzieren werde.

In weiteren Teilen des Fachhandels (unter anderem Mode) seien zwar ähnliche prozentuale Anteilsverschiebungen bei den Zahlungsarten zu verzeichnen, die Gesamtumsätze aber lägen in den meisten Betrieben aufgrund der Lockdown-Phase und deren erzwungenen Schließungen im klaren zweistelligen Minusbereich. Ansonsten, so heißt es laut EHI, wäre der Rückgang des Bargeldvolumens sicherlich noch deutlich stärker ausgefallen als ohnehin schon für den gesamten Handel berechnet.

Nachhaltige Veränderung des Bezahlverhaltens

Die aktuellen Entwicklungen würden darauf hindeuten, dass der Wandel vom Bargeld zur Karte nachhaltig ist. Für die nächsten Jahre erwarte das EHI weitere Zuwächse für unbares Bezahlen im Volumen von etwa drei Prozentpunkten, insbesondere bedingt durch das bei Kundschaft und Handel gleichermaßen beliebte kontaktlose Bezahlen, das schon jetzt gut die Hälfte des Kartenumsatzes abdecke und sich durch erhöhte Limits (Girocard von 25 auf 50 Euro) und die krisenbedingten Hygienemaßnahmen des Handels weitere Anteile erschließen werde.