Pandemie beschleunigt digitales Payment

05.07.2021

Bargeldloses Bezahlen macht global einen enormen Sprung. Bis 2025 sollen bargeldlose Transaktionsvolumen weltweit um mehr als 80 Prozent auf 1,9 Billionen Transaktionen steigen, prognostiziert PwC.

Der Unternehmensberatung zu Folge werden außerdem sechs Makrotrends den Zahlungsverkehr in Zukunft wesentlich beeinflussen. Internationale Überweisungen in Echtzeit, Super-Apps als Serviceplattformen mit eigenen Bezahlfunktionen und Cyber-Wallets dürften auch in Europa bald Fuß fassen und die Entwicklung zum bargeldlosen Bezahlen weiter vorantreiben. Aus der Studie „Charting a cause amid evolution and revolution” der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) und ihrer globalen Strategieberatung Strategy& geht hervor, dass sich die Zahl der digitalen Zahlungen pro Person bis 2030 nahezu verdreifachen dürfte.

„Die Corona-Pandemie hat den Wechsel von Bargeld auf digitale Zahlungen um drei bis fünf Jahre beschleunigt. Die gesamte Infrastruktur des Zahlungsverkehrs verändert sich fundamental. Durch die Entstehung neuer Zahlungswege und innovativer Geschäftsmodelle rückt auch das Szenario einer globalen bargeldlosen Gesellschaft in Sichtweite“, sagt Andreas Pratz, Partner bei Strategy& und Co-Autor der Studie.

Höchstes Innovationstempo und Wachstum in Asien 
Die Studie von PwC macht deutlich, dass die asiatisch-pazifischen Märkte voraussichtlich am stärksten wachsen werden: Dort dürften laut PwC die bargeldlosen Transaktionsvolumen bis 2025 um 109 Prozent und von 2025 bis 2030 um weitere 76 Prozent zulegen. 

Afrika könne bis 2025 Zuwächse um 78 Prozent und bis 2030 um 64 Prozent verzeichnen. In Europa seien bis zu 64 Prozent beziehungsweise 39 Prozent mehr digitale Transaktionen möglich. Für die USA und Kanada prognostiziert die Studie niedrigere Zuwachsraten. 
Entwicklung bargeldlose Transaktionen

© PwC

Im Vergleich zum asiatischen Markt herrsche der Unternehmensberatung zu Folge in Europa, Nord- und Südamerika ein deutlich langsameres Innovationstempo. Beispielsweise kämen in Asien bereits zahlreiche neue Geschäftsmodelle und Innovationen wie multifunktionale „Super-Apps“ großer E-Commerce-Konzerne oder QR-Codes für den Supermarkteinkauf zum Einsatz. 

In Europa hingegen steige zwar die Akzeptanz für Karten und mobile Zahlungen, doch in einigen der größeren europäischen Volkswirtschaften – vor allem in Deutschland – sei immer noch Bargeld das bevorzugte Zahlungsmittel. 

Sechs Trends beeinflussen den Zahlungsverkehr 
PwC macht deutlich, dass der tiefgreifende Wandel im internationalen Zahlungsverkehr nicht nur traditionelle Zahlungsmittel wie Bargeld oder analoge Rechnungen betreffe – vielmehr stehe die gesamte Infrastruktur der Zahlungsverkehrssysteme weltweit bis hin zu den Geschäftsmodellen der Marktakteure vor einem Quantensprung.

Die folgenden sechs Makrotrends würden der Studie nach den Zahlungsverkehr in den nächsten fünf Jahren maßgeblich beeinflussen: 

1. Integration und Vertrauen: Es gebe ein engeres Verhältnis zwischen Kunden und Händlern, die Fokussierung auf mobiles Bezahlen, digitale Wallets und QR-Codes führe zu einer hohen Reichweite und geringen Kosten bei bargeldlosen Zahlungen. Die Zentralbanken würden künftig dafür sorgen, dass die Verbraucher:innen neuen Anbietern, Zahlungsmethoden und dem finanziellen System vertrauen können.

2. Digitale Währungen: Zentralbanken würden Pilotprojekte durchführen, um einem Verlust der geldpolitischen Führung entgegenzuwirken. Aus der Konvertierung und Speicherung von Fiat-Kryptowährungen würden sich neue Möglichkeiten ergeben.

CBDC-Projekte nach Ländern

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3. Digitale Wallets: Der starke Anstieg mobiler Zahlungen werde sich fortsetzen. Durch die vermehrte Nutzung von QR-Codes, Open Banking und Super-Apps werden digitale Wallets immer mehr akzeptiert. Sie könnten beliebter werden als traditionelle Kreditkarten und Bankkonten.

Digitale Wallets verbinden Gegenwart und Zukunft

© PwC

4. Kampf der Systeme: Laut Einschätzung der PwC-Experten würden Regulierungsbehörden aufgrund der wachsenden Beliebtheit von digitalen Wallets darauf achten, dass die Industrie die inländische Zahlungsinfrastruktur stärke. Außerdem wird erwartet, dass Konsument:innen in Schwellenländern das „Kartenzeitalter“ einfach überspringen und direkt mobile Wallets und kontenbasierte Zahlungen nutzen.

5. Grenzüberschreitende Zahlungen: Kostengünstige Zahlungsmethoden und Instant-Payments führten zu einer Neuerfindung des grenzüberschreitenden Zahlungsverkehrs. Durch eine Standardisierung globaler Zahlungen könnten inländische Lösungen weltweit verknüpft werden. Zudem würden, vor allem in Asien, regionale Lösungen sowie Non-Banking-Lösungen, entstehen, die auf Krypotwährungen und digitalen Wallets basieren. 

6. Finanzkriminalität: Mit den neuen Entwicklungen und der vermehrten Vernetzung im Payment würden die Risiken für Finanz- und Cyberkriminalität sowie „Fraud as a Service“ steigen. Um dem entgegenzuwirken müssten laut PwC Zahlungsanbieter ihr gesamtes Ökosystem schützen. 

Die gesamte Studie können Interessierte hier einsehen.