Wenn der Kühlschrank die Milch bezahlt

10.06.2020

Das Internet of Things (IoT), also die Vernetzung von Alltagsgegenständen, Computern und Maschinen über das Web, wächst immer weiter. Damit steigt auch die Bedeutung von "Machine-to-Machine(M2M)"-Payments. Das zeigt eine aktuelle Studie.

Autonome Elektrofahrzeuge, vernetzte Haushaltsgeräte oder intelligente Robotersysteme – weltweit sind laut der Studie „Internet of Payments“ der IT-Unternehmensberatung PPI bereits fast 27 Milliarden vernetzte Geräte im Einsatz. Bis zum Jahr 2025 könnte die Gesamtzahl der IoT-Devices nach Einschätzung der Studienmacher auf 75 Milliarden steigen. Kühlschränke, die selbstständig Lebensmittel nachbestellen; Elektrofahrzeuge, die bei geringem Batteriestand automatisch die nächste Ladestation ansteuern oder der Bahn-Server, der eine Fahrpreiserstattung an den Kunden auszahlt – die Internetfähigkeit der Geräte eröffne vielfältige Möglichkeiten.

Gewaltiges Wachstum durch M2M-Payments
Die Potenziale des Internet of Things lassen sich aber laut der Studie nur ausschöpfen, wenn die Geräte auch Zahlungsvorgänge untereinander abrechnen können, sogenannte Machine-to-Machine(M2M)-Payments. Dadurch würden laut PPI die Transaktionszahlen im Zahlungsverkehr stark zunehmen: Das Unternehmen prognostiziert bis zum Jahr 2027 mindestens 85 Milliarden zusätzliche Transaktionen im Euroraum. In Deutschland würden bis dahin rund 18 Milliarden kleinteilige, Pay-per-use-Zahlungen von Maschinen ausgelöst werden.

Mit einer deutlichen Zunahme der Transaktionen rechnen die Studienmacher in Branchen wie Automobil/Mobility, Maschinenbau, Smarthome, Smartcities, Smartgovernment oder auch Entertainment. Alle diese Branchen würden zukünftig verstärkt zu verbrauchs- oder nutzungsgerechten Abrechnungsmodellen übergehen. Aufgrund damit einhergehender vieler kleinteiliger Zahlungen (Pay-per-use, Pay-as-you-go) seien sie prädestiniert für Machine-to-Machine-Zahlungen. Als Beispiel nennen die Autoren die Automobilindustrie, die bereits an konkreten Lösungen arbeite und entsprechende Ökosysteme aufbaue. Dabei würden Automobile eigene Wallets mit elektronischem Geld nutzen und ohne menschlichen Eingriff Tankfüllungen oder Mautgebühren bezahlen.

Maschinen mit unverwechselbarer Identität
„Bedarf es beispielweise immer noch einer Freigabe einer Zahlung durch einen Menschen, kann der Wirtschaftsvorgang erst fortgesetzt werden, wenn diese Freigabe erteilt ist. Die Folgen wären Zeitverzögerungen oder sogar der Abbruch des Vorganges: Das kann den Nutzen des jeweiligen Geschäftsmodells gänzlich infrage stellen“, schreiben die Studienautoren. So wäre es beispielsweise nicht zweckmäßig, wenn der selbstständig nachfüllende Kühlschrank erst dann bestellen kann, wenn der Nutzer die Bezahlung der jeweiligen Bestellungen freigibt. Denn der Nutzer könnte diese Freigabe vergessen, übersehen oder das entsprechende Freigabegerät nicht zur Hand haben. Die Folge? Trotz IoT keine Milch zum Frühstück.

Zwingende Voraussetzung sei daher, dass Maschinen Bezahlvorgänge nicht nur automatisieren, sondern auch autonom durchführen könnten. Dafür sei zum einen ein klarer Rechtsrahmen notwendig, der laut PPI aber bislang in der EU fehle. Außerdem müssten Maschinenidentitäten geschaffen werden. Darunter verstehe man – wie beim Menschen – individuelle Merkmale, die die jeweilige Maschine von anderen Maschinen unterscheide. Eine sichere Maschinenidentität könne nicht manipuliert, gefälscht oder missbraucht werden. Sie gebe der Maschine eine unverwechselbare, sichere Persönlichkeit, mit der sie sich in der vernetzten Produktion anderen Maschinen, Instanzen und Akteuren gegenüber ausweisen könne.

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© PPI AG

Welche Zahlverfahren am besten passen
Ein eindeutiges Urteil fällen die Studienmacher bezüglich der Bezahlverfahren, die sich bei Zahlungen zwischen Maschinen durchsetzen werden. Digitales Geld – beispielsweise Stable Coins, Unbacked Coins oder E-Währungen und E-Geld – würden sich am besten für M2M-Payments eignen. Sie räumen allerdings ein, dass bei diesen Zahlsystemen die Regulierung und die Marktreife noch große Herausforderungen seien, die vor einem Masseneinsatz gelöst werden müssten. Von den klassischen Bezahlverfahren sehen die Experten von PPI auch Instant Payments als geeignet an. Hier müsse jedoch die vollständige Erreichbarkeit in Europa sichergestellt sowie die Kosten des Verfahrens weiter optimiert werden.

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© PPI AG

Aber auch bei der praktischen Implementierung gebe es entlang des gesamten Prozesses große Herausforderungen, die Zahlungsdienstanbieter lösen müssen, wenn sie Unternehmen M2M-Payments anbieten wollen. Dazu gehörten etwa die Gewährleistung der Sicherheit, die Verarbeitung von Rückinformationen bei nicht ausführbaren oder inkorrekten Transaktionen, das digitale Onboarding von Maschinen oder Compliance-Prüfungen in Bezug auf eine Maschine.