Sprunghafter Anstieg der Geldautomatensprengungen

25.06.2021

Physische Angriffe auf Geldautomaten haben 2020 deutlich zugenommen. Zugleich hat die Zahl der Sprengungen mit 414 Fällen ihren Höchstwert seit dem Beginn der statistischen Erfassung vor 15 Jahren erreicht.

Das geht aus dem Bundeslagebild „Angriffe auf Geldautomaten“, herausgegeben durch das Bundeskriminalamt (BKA), hervor. Die Auswertungen basieren auf polizeilichen Erkenntnissen.

Insgesamt seien im letzten Jahr 704 physische Angriffe erfasst worden – im Vergleich zum Vorjahr ein Anstieg um rund 28 Prozent (2019: 549 Fälle). Vor allem bei Geldautomatensprengungen verzeichnete die Polizei in Deutschland ein deutliches Plus in Höhe von 18,6 Prozent (2019: 349 Fälle).

Die Mehrheit der Sprengungen (268 Fälle, +22,9 Prozent) sei erfolgreich gewesen, in 146 Fällen (+11,8 Prozent) hätten die Sprengkörper nicht gezündet. Die Angriffe seien aber größtenteils (256 Fälle) auf einen Diebstahlversuch hinausgelaufen, die Täter:innen hätten nur bei weniger als der Hälfte (158 Fälle) Bargeld entwenden können. Mit Blick auf die Gesamtfallzahl liege der Anteil „vollendeter Fälle besonders schweren Diebstahls“ bei rund 38 Prozent.

01_Anstieg Sprengungen

© Bundeskriminalamt

Für die Geldautomatensprengungen hätten die Kriminellen auch 2020 größtenteils Gasgemische eingesetzt. Diese werden in die Automaten eingeleitet und dann gezündet. Eine Vielzahl an Geldinstituten setze inzwischen aber auf Gasneutralisationssysteme, um solche Angriffe zu verhindern. Neben den Gasgemischen hätten die Täter und Täterinnen daher auch auf Explosivstoffe zurückgegriffen. In Folge der zunehmenden Präventionsmaßnahmen habe sich die Zahl der Detonationen durch feste Explosivstoffe im letzten Jahr versechsfacht (2020: 111 Fälle, 2019: 18 Fälle).

Insgesamt hätten die Verbrecher:innen eine Summe von 17,1 Millionen Euro bei den Sprengungen erbeutet (2019: 15,2 Millionen Euro). Laut dem BKA fallen die Sachschäden aufgrund der erheblichen Sprengkraft der Explosionen mit einer Summe im mittleren zweistelligen Millionenbereich allerdings weitaus mehr ins Gewicht.

Auch die Zahl der Tatverdächtigen im Zusammenhang mit Geldautomatensprengungen sei 2020 um rund 27 Prozent gestiegen (2020: 168 Verdächtige, 2019: 132 Verdächtige). Knapp zwei Drittel der Tatverdächtigen (66,1 Prozent) würden in den Niederlanden leben. Das BKA vermutet, dass der hohe Anteil auf die verstärkten Sicherheitsmaßnahmen der niederländischen Banken wie zum Beispiel Banknoteneinfärbung sowie nächtliche Schließungen von Filialen zurückgeführt werden kann. Viele Täter:innen seien vermutlich auf deutsche Geldautomaten ausgewichen, da diese derzeit nicht so umfassend wie die niederländischen geschützt sind. Am häufigsten seien die Detonationen in den grenznahen westlichen Bundesländern aufgetreten, vor allem aber in Nordrhein-Westfallen (176 Fällen). Dahinter folgten Niedersachsen (45 Fälle), Baden-Württemberg (41 Fälle) sowie Rheinland-Pfalz (35 Fälle).

Rückgang von Skimmings
Im Gegensatz zeichne sich bei den technischen Manipulationen von Geldautomaten für 2020 ein negativer Trend ab: Im Bereich des sogenannten Skimmings – die widerrechtliche Beschaffung der Magnetstreifendaten von Zahlungskarten sowie der entsprechenden PIN – habe die Euro Kartensysteme GmbH (EKS) 152 Fälle erfasst – das entspreche einem Rückgang von 38 Prozent (2019: 245 Fälle). Auch die Höhe des Gesamtschadens sei um ein Viertel auf 1,05 Millionen Euro gesunken (2019: 1,40 Millionen Euro). Diese positive Entwicklung könne vor allem auf den wachsenden Gebrauch von Zahlungskarten mit EMV-Chip (Europay International, Mastercard, Visa) sowie die Installation von Anti-Skimming-Modulen an den Geldautomaten zurückgeführt werden. Beide Maßnahmen erschweren es den Kriminellen die Daten der Zahlungskarten auszulesen. Auch die logischen (digitalen) Systemangriffe auf Geldautomaten bzw. Geldautomaten-Netzwerke seien im vergangenen Jahr deutlich zurückgegangen.

02_Skimming nimmt ab

© Bundeskriminalamt

Im Gesamtbild weise vor allem die Zunahme der Automatensprengungen auf die Notwendigkeit hin, dass die Betreiber:innen ihre Sicherheitsmaßnahmen weiterhin stark ausbauen müssen. Das könne einerseits Sach- als auch Beuteschäden verhindern.

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