Geldautomaten-Betrug: Skimming ist out

16.01.2020

Die Kreditwirtschaft sichert ihre Geldautomaten immer besser gegen kriminelle Angriffe. Für die Täter wird es damit schwieriger, gestohlene Kartendaten zu Geld zu machen.

Der Schaden durch „Skimming“, eine technische Manipulation von Geldautoma­ten zur Ausspähung von Kartendaten und Geheimnummern (PIN), ist in Deutsch­land im Jahr 2019 erneut weiter gesunken. Er lag bereits im Vorjahr auf einem niedrigen Niveau.

Laut Euro Kartensysteme manipulierten Datendiebe im Gesamtjahr 2019 bun­desweit 245 Mal Geldautomaten für solche „Skimming“-Versuche. Dabei können einzelne Automaten auch mehrfach angegriffen worden sein. Im Vorjahr hatte es 449 Fälle gegeben. Die Euro Kartensysteme gibt die Brutto-Schadenssumme für 2019 mit etwas mehr als 1,4 Millionen Euro an.

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© DSGV

Kein Betrug mit Kartendubletten mehr möglich

Margit Schneider, Leiterin Sicherheitsmanagement Zahlungskarten bei Euro Kartensysteme, erklärt den seit Jahren zu beobachtenden Trend zu rückläufigen Skimming-Fällen mit der von Banken und Sparkassen eingesetzten modernen Sicherheitstechnik. Sie erschwere es Kriminellen immer mehr, widerrechtlich erlangte Kartendaten von Bankkunden für betrügerische Zwecke zu nutzen. Seit 2012 können im girocard-System in Deutschland keine Kartendubletten mehr eingesetzt werden. Alle inzwischen 856.000 Bezahlterminals, nahezu 60.000 Geldautomaten und 100 Millionen girocards deutscher Banken und Sparkassen sind mit der sicheren EMV-Technologie ausgestattet. Der auf einer Zahlungs­karte befindliche EMV-Chip steuert die Kommunikation zwischen Chipkarte und Terminal (POS und/oder Geldautomat) hoch verschlüsselt.

Kartendubletten, die mit Hilfe von aus dem Magnetstreifen ausgelesenen Kar­tendaten erstellt werden, können die Täter für betrügerische Transaktionen nur noch dort einsetzen, wo Bezahlterminals und Geldautomaten noch nicht mit der sicheren EMV-Technik versehen sind. Dies ist zum Beispiel noch in Indien, Indo­nesien und den USA der Fall, weshalb in diesen Ländern hohe Fallzahlen von Kartenbetrug durch Einsatz von Kartendubletten registriert werden. Im Jahr 2022 soll die weltweite Migration von Magnetstreifen auf den EMV-Chip Stan­dard abgeschlossen sein.

Skimming-"Hochburg" Berlin

Die am häufigsten von Skimming-Angriffen betroffene deutsche Stadt ist Berlin mit 114 Fällen im vergangenen Jahr. „Hier vermuten Kriminelle nach Einschät­zung von Sicherheitsbehörden eine große Zahl ausländischer Touristen, deren Zahlungskarten noch nicht mit EMV-Chip ausgestattet sind“, erläutert Margit Schneider die Tatsache, dass fast 50 Prozent aller bundesweiten Betrugsfälle in der Hauptstadt zu verzeichnen sind.

Viel höhere Schäden entstehen laut Schneider durch den Verlust oder Diebstahl von Zahlungskarten. 10 790 Fälle dieser Art gab es hierzulande im vergangenen Jahr und damit mehr als im Vorjahr (10 098). Der Bruttoschaden stieg von knapp 14,5 Millionen auf rund 14,6 Millionen Euro. Im oft zu sorglosen Umgang mit den Zahlungskarten sieht Schneider eine wichtige Ursache für den Anstieg dieser Delikte. „Viele Verbraucher machen es Kriminellen zu leicht, weil sie trotz aller Warnungen Karte und PIN zusammen im Geldbeutel aufbe­wahren.“