Täter sprengen sich den Weg zum Geld frei

18.09.2020

Im Jahr 2019 registrierte die deutsche Polizei 549 Fälle des besonders schweren Diebstahls von und aus Geldautomaten. Die Täter gehen dabei oft sehr rabiat vor: Durch Sprengung der Geldautomaten versuchen sie, an ihre Beute zu gelangen.

Laut dem Bundeslagebild „Angriffe auf Geldautomaten“ des Bundeskriminalamts (BKA) für das Jahr 2019 belief sich der bei den Geldautomatensprengungen entstandene Beuteschaden auf rund 15,2 Millionen Euro. Hinzu kämen Begleitschäden in zweistelliger Millionenhöhe, die unter anderem durch die Sprengkraft der Explosionen verursacht worden seien und Beschädigungen an Geldautomaten, Aufstellungsorten und benachbarten Gebäuden zur Folge gehabt hätten. Auch das gewaltsame Öffnen, etwa mit Winkelschleifern, sowie die Komplettentwendung der Automaten würden zu den „Modi Operandi“ der Kriminellen gehören.

Physische Angriffe auf Geldautomaten

© Bundeskriminalamt

Leichter Rückgang der Sprengungen
Gegenüber 2018 (590 Fälle) seien die Zahlen des besonders schweren Diebstahls von und aus Geldautomaten um 6,9 Prozent zurückgegangen. Diese Entwicklung gelte auch für die Sprengung von Geldautomaten. 2019 wurden laut Lagebild 349 Sprengungen registriert, ein leichter Rückgang um 5,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Eine ähnliche Entwicklung zeige sich auch beim Beuteschaden, der 2018 noch bei rund 18 Millionen Euro lag, also 16 Prozent höher als 2019. 

Sprengung von Geldautomaten

© Bundeskriminalamt

„Trotz leichter Rückgänge bei den Fallzahlen“, so BKA-Sprecher Jens Beismann, „bleibt die Sprengung von Geldautomaten ein Schwerpunkt der polizeilichen Kriminalitätsbekämpfung. Denn das Risiko für Unbeteiligte, durch die Explosion oder ihre Folgen zu Schaden zu kommen, macht solche Taten besonders gefährlich.“

Betroffen waren in 2019 alle Bundesländer. Die meisten Sprengungen von Geldautomaten hätten Nordrhein-Westfalen (105 Fälle), Hessen (53 Fälle) und Niedersachsen (45 Fälle) verzeichnet. Die Polizei hätte im vergangenen Jahr im Zusammenhang mit dieser Straftat 132 Tatverdächtige ermittelt. Davon seien 90 Personen sogenannte „reisende Täter“ gewesen, die insbesondere aus den Niederlanden (68 Personen), Moldawien (zehn Personen) und Rumänien (sechs Personen) stammten.

Skimming lohnt sich kaum noch
Neben der Sprengung von Geldautomaten gelangten Täter auch weiterhin durch das sogenannte Skimming, eine technische Manipulation von Geldautomaten, an Daten von Zahlungskarten. Diese würden für die Herstellung gefälschter Zahlungskarten genutzt, um damit Bargeld abheben zu können. Der deutliche Rückgang der Fallzahlen von rund 46 Prozent auf 244 Taten in 2019 ist laut BKA auf den Einsatz des EMV-Chips zurückzuführen.

Technische Manipulation von Geldautomaten

© Bundeskriminalamt

Malware-Angriffe sind im Kommen 
Geringfügig zugenommen hätten dagegen Fälle von sogenannten „Logischen Angriffen“ auf Geldautomaten. Bei diesem Vorgehen würden die Automaten etwa mittels Malware manipuliert, um Bargeldauszahlungen zu erreichen. Laut BKA-Lagebild zählte die deutsche Polizei 69 dieser Logischen Angriffe im Jahr 2019, im Vorjahr waren es 66. Der dadurch entstandene Schaden habe sich auf rund 1,075 Millionen Euro belaufen (2018: 1,027 Millionen Euro).