Corona-Virus schwächt Bargeldliebe der Deutschen

20.04.2020

Die Art und Weise, wie Konsumenten bezahlen, hat sich durch COVID-19 bereits stark verändert. Laut der Strategieberatung Oliver Wyman soll es hierzulande bis 2025, gemessen am Umsatzanteil, nur noch rund 32 Prozent Bargeldzahlungen geben.

Bis heute gelten die Deutschen im europäischen Vergleich als treue Bargeld-Anhänger und Verfechter der Bargeldzahlung. Die Strategieberatung Oliver Wyman erwartet nun – ausgelöst durch die Sicherheitsmaßnahmen und Hygienevorschriften im Zuge der Corona-Pandemie - in den nächsten Jahren eine deutliche Veränderung.

Laut Zahlen des EHI Retail Institute (EHI) eroberte Kartenzahlung im Jahr 2018 erstmals überhaupt die Pole Position an den Kassen des Handels. Sie erreichte einen Anteil von 48,6 Prozent am Gesamtumsatz des deutschen Einzelhandels, der Umsatzanteil von Bargeld sank dagegen auf 48,3 Prozent.

In einem Referenzszenario komm Oliver Wyman nun zu dem Ergebnis, dass der Anteil der Barzahlungen bis 2025 um 20 Prozentpunkte sinken wird. Eine Entwicklung, die unter normalen Umständen mehrere Jahre dauern sollte, werde durch die Corona-Pandemie deutlich verkürzt. Sollte die Beschleunigung nach dem Corona-Ende anhalten und eine Vielzahl der Kunden ihr geändertes Bezahlverhalten beibehalten, ist auch eine Bargeld-Quote von nur noch 20 Prozent bis 2025 nicht unrealistisch, prognostizieren die Payment-Experten von Oliver Wyman. Kurzfristig erwarten sie einen Umsatz-Rückgang der Barzahlungen um 15 Prozentpunkte für das Jahr 2021.

Entwöhnung vom Bargeld
Ihnen zu Folge ist diese Entwicklung von mehreren Aspekten getrieben. So beobachten sie eine steigende Akzeptanz digitaler Bezahlmöglichkeiten bei den Händlern, eine wachsende Nutzung durch die Verbraucher sowie die bisher sehr erfolgreiche Einführung von Apple Pay in Deutschland. Die während der Corona-Pandemie geltenden Hygienemaßnahmen würden zu einer „Entwöhnung“ von Barzahlungen führen.

Viele Supermärkte, Restaurants und Geschäfte bitten ihre Kunden bereits aktiv darum, auf Barzahlung zu verzichten und weisen gleichzeitig auf die Möglichkeit hin, kontaktlos per Karte oder mobil mit dem Smartphone zu bezahlen. Die Erhöhung des Kontaktlos-Limits auf 50 Euro bei Kreditkarten- und girocard-Zahlungen steigere zusätzlich den Kundenkomfort beim Bezahlen an der Kasse. Es sei davon auszugehen, dass sich viele Kunden in der Corona-Krise weiter an Kartenzahlung gewöhnen und auch post-COVID 19 bargeldlos bezahlen werden.