"Payone hat 2021 die Zahl seiner E-Commerce-Kunden verdoppelt"

08.12.2021

Seit einem Jahr gehört Payone mehrheitlich zu Worldline, dem größten Zahlungs- und Transaktionsdienstleister Europas und einer der größten weltweit. Niklaus Santschi, Chief Executive Officer (CEO) von Payone, und Ottmar Bloching, Mitglied der Geschäftsführung der DSV-Gruppe, die Mitgesellschafter des Joint-Ventures ist, sprechen über die strategische Neuausrichtung, die Positionierung im Wettbewerb und Trends im Zahlungsverkehr.

Im Zuge von Übernahmen in der Zahlungsdienstleistungsbranche durchlief Payone in den vergangenen Jahren mehrere Umstrukturierungen. Ist man jetzt dort, wo man hinwollte?

Ottmar Bloching (OB): Unbedingt. Schon früh war die Urüberlegung, dass es im Zuge der fortlaufenden Konsolidierung und Internationalisierung im europäischen Payment-Markt – Stichwort: Sepa – einen globalen, starken Partner braucht, um für unsere Zahlungsdienstleistertochter auch in Zukunft Wachstum und Internationalisierung zu garantieren.

2017 haben wir die Suche nach einem geeigneten Investor aufgenommen und ihn in der Ingenico Group gefunden: 2018 wurde das Zahlungsakzeptanzgeschäft in der DACH-Region im Gemeinschaftsunternehmen – der damaligen BS Payone – zusammengeführt. Mit diesem Schritt haben wir die Position von Payone als führender Zahlungsdienstleister in Deutschland deutlich gestärkt und die Hebung großer Synergiepotenziale im SMB-Geschäft und Bereich Key Accounts möglich gemacht. Dazu zählte die Ergänzung der Wertschöpfungskette um „Omni-Channel“-Services, die Schließung der strategischen Lücke „POS-Terminals und Software“ sowie der Brückenschlag zur globalen E-Commerce-Payment-Lösung „GlobalCollect“ der Ingenico Group. 

Nicht zu vergessen ist dabei auch die Nutzung der Größenvorteile für (IT-) Betrieb und Investitionen in digitale Prozesse, Vertrieb und Marketing.

"Mit der Übernahme der Ingenico Group durch Worldline ist Payone nun in ein noch größeres Universum eingebettet, das gerade in der Betreuung von Großkunden und im Bereich Financial Services und der Datenverarbeitung über einen unglaublich hohen Standard verfügt, von dem Payone und seine Kunden – und dazu gehören natürlich auch die Sparkassen – nachhaltig profitieren: Worldline investiert allein rund 300 Millionen Euro jährlich in technische Investitionen und Infrastruktur, an denen Payone partizipiert."

Wie positioniert sich Payone im Markt gegenüber der Konkurrenz – zum Beispiel Adyen, Computop, Unzer oder Concardis? 

Niklaus Santschi (NS): Deutschland ist einer der wichtigsten Flächen-Märkte der Welt. Payone ist dort der „Matador“ im stationären Handel und ein stark wachsendes Unternehmen, mit der Ambition, dies im zweistelligen Bereich zu tun. Gerade im letzten Jahr, auf dem Höhepunkt der Pandemie, konnten wir viele neue Kunden – gerade auch im E-Commerce, wo wir unsere Klientel verdoppelt haben – dazugewinnen. Diese Stärkung der Kundenbasis gibt uns Rückenwind. Auch wenn wir natürlich nach wie vor bedingt durch die Pandemie Einbußen in der Travel- und Hotellerie- und Gastronomiebranche (gerade auch im Hinblick auf das Geschäft mit Touristen und Business-Reisenden aus Asien) verzeichnen. 

In der jetzt anstehenden Phase werden wir unser Business, gerade auch in Bezug auf E-Commerce –  dank der Einbindung in unseren starken internationalen Shareholder Worldline – weiter mobilisieren und die aus der Verbindung resultierenden Wachstumssynergien ausschöpfen. 

In Phase II planen wir, auf Basis unserer bereits existierenden Platform One – ursprünglich konzipiert für die Mineralölbranche – ein digitales Dienstleistungs-Öko-System zu bauen, das weit über reine Payment-Dienstleistungen hinausgehen wird: Dort werden wir nicht allein eigene Services anbieten, sondern auch solche von gewachsenen Partnern, mit denen wir Kooperationen eingegangen sind beziehungsweise knüpfen werden, unter einem Dach bündeln: Denkbar sind dabei beispielsweise Loyality- und Marketing-Services, technische Lösungen, Payroll- und Warenwirtschaftsleistungen sowie Versicherungen oder Kreditvergaben. 

Der Markt für Zahlungsdienste wie Payone wächst. Seit Ausbruch der Coronapandemie wird häufiger bargeldlos bezahlt. Auch der Online-Handel floriert. Wie profitiert Payone von diesem Trend? Wie hat sich Payone darauf eingestellt?

NS: In der Tat war die Coronapandemie ein unglaublicher Treiber von bargeldlosen Zahlungen und hat uns in Kürze in ein Szenario katapultiert, das wir uns in dieser Form frühestens in einigen Jahren hätten vorstellen können. So konnten auch Endverbraucher, die ihre Karte noch niemals oder in nur geringfügigem Maße eingesetzt haben, nachhaltig von den Vorteilen des bargeld- und kontaktlosen Bezahlens am POS, aber auch gerade in der Nutzung von Online-Dienstleistungen, überzeugt werden. Am POS haben wir das wir insbesondere im Lebensmittel- sowie Hygieneartikelsektor gespürt. 

Im Online-Handel konnten wir unter anderem bei Baumärkten, in der Technik-/Elektrogüterbranche oder auch beim Fahrrad-Handel exponentielle Steigerungen beobachten: Diesen Trend können wir deutlich an den überdurchschnittlich gewachsenen Transaktionszahlen ablesen. Auf Händlerseite beobachten wir in den letzten eineinhalb Jahren einen überproportional hohen Beratungsbedarf und Wunsch nach Austausch und Dialog, speziell im Bereich kanalübergreifender Zahlungslösungen. Dem kommen wir in Form von deutlich erhöhten Personalkapazitäten in unseren Servicecentern sowie vertriebsseitig nach. 

Als führender Full-Service-Provider bietet Payone alle Payment-Services aus einer Hand. Mit der Übernahme durch Worldline hat sich die strategische Ausrichtung von Payone verändert. Können Sie diese Neuausrichtung erläutern? Welche Veränderungen ergeben sich daraus für die Kunden? Wie nützt die Neuausrichtung dem Geschäft der Sparkassen? 

OB: Mit der Übernahme von Ingenico durch Worldline wurde das Händlerdienstleistungsgeschäft von Worldline in Deutschland und Österreich in Payone eingebracht. Im Gegenzug wurde das Schweizer Händlerdienstleistungsgeschäft von Payone in Worldline integriert. Payone wird als eigenständiges Joint Venture innerhalb von Worldline geführt und ist Teil des Geschäftsbereiches Merchant Services.

Im Rahmen der Neuorganisation hat sich unser Wirkungskreis verändert, das Angebotsportfolio konzentriert sich seither auf Händlerkunden mit Geschäftsschwerpunkt in Deutschland und Österreich sowie dem „Follow your customer“-Ansatz. Ziele dieser Neuausrichtung und damit verbundenen Bündelung der länderspezifischen Aufgabenverteilung sind die Intensivierung der Kundenbetreuung sowie der Ausbau der auf die lokalen Bedürfnisse zugeschnittene Dienstleistungspalette. 

Unsere Ambition ist es, einen Art „Payone-Nukleus“ zu schaffen, den wir um ländercharakteristische Spezifika ergänzen.

"Durch die Konsolidierung unserer Payment-Strukturen sowie technischer Innovationskraft und breitem Produktspektrum von Worldline werden Kunden in uns einen Omnichannel-Anbieter haben, der ihnen technische Lösungen zugeschnitten je nach Branche und Konsumentenverhalten bieten kann. Individuelle Wünsche unserer Großkunden können wir heute schon über die Infrastruktur von Worldline abbilden."

Für die Sparkassen, von denen Payone über 360 betreut – indirekt oder direkt über den S-Händlerservice, bedeutet die Anbindung von unserem Joint Venture an Worldline eine Teilhabe an allen technischen Innovationen, Financial Services und Datenverarbeitung, Terminal- und Kassenwelten.

Dies ermöglicht die Positionierung als Payment-Spezialisten in ihrem jeweiligen lokalen Umkreis mit hoher Affinität und Beratungsexpertise für kleine und mittelständische Kunden und deren Bedürfnisse im Bereich Omnichannel. Darüber hinaus schlagen sich die Skaleneffekte auch in gesunkenen Transaktionspreisen im optimierten Kooperationsmodell für die Institute nieder.

Payone hat die deutschen und österreichischen Aktivitäten von Worldline übernommen. Dazu gehörten 300 Mitarbeiter. Wie lief die komplexe Integration von Payone in die Unternehmensstruktur von Worldline konkret ab? Wie haben sich die damit verbundenen Veränderungen in der Gesellschafterstruktur auf den Geschäftsbetrieb von Payone ausgewirkt? Payone ist nun Teil eines globalen Dienstleisters. Haben die Sparkassen noch hinreichend Mitsprache- und Mitgestaltungsmöglichkeiten?

NS: Wir freuen uns sehr, dass wir 300 neue Kolleginnen und Kollegen dazugewonnen haben, die uns als erfahrene Payment-Spezialisten unterstützen, unsere ambitionierten Ziele zu erreichen. In der Tat war die Integration von Ingenico in die Worldline Gruppe eine umfangreiche und komplexe Transaktion, allerdings weniger in Bezug auf Payone: Bei uns steht mehr die Konsolidierung und technische Integration unserer diversen Systeme im Vordergrund: Aufgrund dreier Merger in vier Jahren haben wir keine integrale Plattform „geerbt“. 

So haben wir in der Zwischenzeit – bei laufendem Betrieb und ohne Einschränkungen für unsere Kunden – unsere ursprünglich neun (!) Rechenzentren auf drei reduziert. Alle sind auf neuestem technischen Stand, erfüllen PCI- und DK-Vorgaben vollumfänglich und beweisen eine hohe Ausfallsicherheit und Auslastbarkeit. 

Auf einem ähnlich erfolgreichen Weg sind wir bei der Verschmelzung der internen IT-Systeme und -Prozesse, die in großen Teilen erfolgreich umgesetzt ist. Die Funktionsfähigkeit der neuen IT-Infrastruktur hat sich bereits im Rahmen der Homeoffice-Arbeit bedingt durch Corona, wo wir ab März 2020 rund 1300 Kolleginnen und Kollegen innerhalb von knapp zehn Tagen ins Homeoffice versetzt und arbeitsfähig ausgestattet haben, bewiesen. Nicht zuletzt lösen wir damit unsere Verpflichtung gegenüber unseren Shareholdern ein, einen der wichtigsten Pfeiler für Synergien und Operations Excellence geschaffen zu haben. 

OB: Zum Thema veränderte Gesellschafterstruktur von Payone: Hier möchte ich vorausschicken, dass der DSV und Worldline auf einer Wellenlänge liegen und wir eine gute und fruchtbare Zusammenarbeit erleben. Das hat positive Effekte auf den laufenden Geschäftsbetrieb von Payone, der von gemeinsamen, schnellen und im Konsens getroffenen Entscheidungen profitiert. Ansonsten ist Payone nach wie vor ein Joint Venture mit eigener und unabhängiger Governance, einem eigenen Aufsichtsrat und regelmäßig tagendem Shareholder-Komitee. 

Ende des ersten Teils